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Kakao in Europa

Im 17.Jh. wurde der bei Europäern beliebte Kakao je nach Vorstellung und Bedürfnis der Konsumenten zubereitet, aromatisiert und gewürzt. Kakaokännchen, Schaum, „Trembleuse“ (spezielle Kakao-Tasse für zittrige Hände) und sogar die Schnurrbart-Tasse perfektionierten die Kunst der Zubereitung und des Genusses.
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Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen, Dresden / Hans Peter Klut / Elke Estel - Jean-Étienne Liotard, Das Schokoladenmädchen, um 1745, Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen, Dresden

Ein wertvolles Getränk

Als Kakao Mitte des 16.Jhs. nach Europa gelangte, wurde er zunächst auf aztekische Art zubereitet und überzeugte nicht sofort. Erst als man ihn dem europäischen Geschmack anpasste, hatte er Erfolg. Man verzichtete auf die Pfefferschote und ersetzte sie durch Zucker. Dieses wertvolle, teure und elitäre Getränk beförderte eine wahrhafte Kunst der Zubereitung und Verkostung sowie die Entwicklung passender Utensilien.

Der Geschmack der Europäer

Geriebene Kakaomasse, Wasser und Zucker sind die drei grundlegenden Bestandteile dieses Getränks, das meist warm genossen wird. Es bildeten sich jedoch von Land zu Land – manchmal auch auf ärztliche Anweisung - zahlreiche Variationen heraus. So aromatisieren die Italiener Kakao mit Zitronenschale, Vanille, Jasmin, grauem Amber (der als Arzneimittel, in Düften oder als Gewürz genutzt wird) oder Zimt. Die Engländer sind besonders wagemutig, indem sie das Wasser teilweise durch Wein oder... Milch ersetzen und eventuell ein Eigelb zugeben. Ärzte empfehlen einen mit Gewürznelken versetzten Kakao gegen Magenschmerzen. Im Fall von Müdigkeit raten sie, Amber hinzuzufügen. Wenn der Kakao zu ölig ist, können die negativen Auswirkungen mit Vanille und Zimt ausgeglichen werden. Die Kombinationsmöglichkeiten sind also unbegrenzt und werden den Ansprüchen eines jeden gerecht.

Neue Gerätschaften

Ein guter Kakao wird in einer Kakaokanne zubereitet, die einer Kaffeekanne ähnelt und einen Quirl besitzt. In ihr verquirlt man Kakao mit Wasser, um die Aromen freizusetzen und eine luftige, schaumige Flüssigkeit zu erhalten. Die Kakaokanne, die zunächst aus einfachen Materialien bestand, gab es in immer raffinierteren Ausführungen, bevorzugt aus Porzellan oder Silber. Einige Zeit wurde sie sogar „Annehmlichkeit der Unterhaltung“ genannt, da sie, wenn Freunde zum Kakaotrinken zusammenkamen, im Mittelpunkt stand.

Um das Getränk auch mit zittriger Hand trinken zu können, wurde ausserdem eine spezielle Tasse, die Trembleuse, entwickelt. Ihre Untertasse ist aufgewölbt oder besitzt einen hochgezogenen Porzellanrand, damit die Tasse darin einen sicheren Stand erhält. So geht kein Tropfen des kostbaren Getränks verloren, und zudem werden die Roben der Damen geschont. In Spanien heisst sie nach ihrem Erfinder, dem Marquis de Mancera, der im 17.Jh. Vizekönig von Peru war, Mancerina.

Ein kurzer Trend

Die Engländer erfanden im 19.Jh. die Schnurrbart-Tasse, die die „Zierde“ der Herren schützen sollte. Heute gilt sie als Kuriosum, denn diese Mode war nur von kurzer Dauer. Nur in den Vereinigten Staaten hielt sie sich bis zum Ende des Jahrhunderts.