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Geschichte des Kakaos

Für uns zählt heute die morgendliche Tasse Kakao, die Kindern serviert wird, zum normalen Alltag. Aber dies war nicht immer so. Als die Spanier den Kakao aus Amerika nach Europa brachten, erregte er die Gemüter und war Anlass vieler Diskussionen. Vor allem bei der Aristokratie und den privilegierten Klassen der Gesellschaft rief er grosse Begeisterung hervor.
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Pietro Longhi, Die Morgenschokolade, 1775-1780, Cà Rezzonico, VenedigCC-BY-NC-SA / Canopé Académie de Strasbourg

Von den Azteken zu den spanischen Kolonisatoren

Kakao - das erste exotische Getränk, das in Europa auftauchte - war bei verschiedenen, in Mittelamerika lebenden Völkern schon seit Jahrtausenden bekannt. Bei den Azteken stand er in hohem Ansehen. Sie tranken ihn mit Pfeffer und manchmal mit Mais oder Früchten gewürzt während religiöser Zeremonien oder Festen. Seine medizinische Wirkung war ebenfalls bekannt: als Getränk mit stärkender und aphrodisischer Wirkung oder als Kakaobutter zur Behandlung von Verbrennungen und Verletzungen. Die Bohnen selbst wurden als Zahlungsmittel genutzt. Damit konnten Nahrung, Kleidung oder Sklaven gekauft werden.

Der Konquistador Hernan Cortés und seine Männer landeten 1519 in Mexiko. Dort stiessen sie auf dieses seltsame Getränk und waren erstaunt über sein Aussehen und seinen bitteren Geschmack: Die Zugabe von Agavensirup (ein natürliches Süssungsmittel) oder Honig machte es für sie besser verträglich. Cortés witterte ein grosses Geschäft mit diesem Getränk und kehrte 1528 mit Kakaobohnen und den notwendigen Utensilien für ihre Zubereitung nach Spanien zurück. Am Hof Karls V. hielt sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. So dauerte es noch einige Jahrzehnte, bis der Kakao sich durchsetzte. Dazu mussten sich erst Missionarinnen in Mexiko niederlassen und die geniale Idee entwickeln, ihn zu zuckern. So wurde am Ende des Jahrhunderts Kakao in Spanien ein hochgeschätztes und begehrtes Getränk. Man trank ihn überall, sogar auf der Strasse und zu jeder Uhrzeit.

Der Kakao verführt Europa

Nach Spanien entdeckten auch andere Länder Europas im 17. Jahrhundert den Kakao und begeisterten sich für dieses neue Getränk. Eine echte „Kakao-Manie“ ergriff die Aristokratie und die Priesterschaft. Da er teurer war als Tee oder Kaffee, blieb Kakao lange Zeit ein elitäres Getränk. Er gehörte zu jeder guten Gesellschaft dazu. Gerne trank man ihn nach dem Aufstehen, aber auch den ganzen Tag über. Er wurde bei gesellschaftlichen Anlässen oder unter Freunden als Erfrischung gereicht. Bereits damals wurde das Azteken-Getränk als Aphrodisiakum angesehen, ein Ruf, der ihm lange anhing. Deshalb setzten viele Kakao auch mit Sinnlichkeit gleich. Ein Arzt schrieb 1702, dass „seine stimulierenden Eigenschaften sich dazu eignen, die Glut der Leidenschaft zu entflammen.“ Das erklärt auch, warum dieses Getränk lange Zeit Erwachsenen vorbehalten war. 

Diskussionen rund um den Kakao

Dieses neuartige Getränk warf auch zahlreiche Fragen auf. Die Kirchenvertreter fragten sich, ob Kakao als Getränk oder Nahrungsmittel zu betrachten sei, ob man ihn demzufolge während der Fastenzeit trinken könne oder ob er nicht eher das Fasten bräche. Auch bei den Ärzten gab es unterschiedliche Meinungen. Einigen zufolge war Kakao schädlich, weil er die Verdauung beeinträchtigte. Die meisten jedoch lobten seine positiven medizinischen Eigenschaften und empfahlen ihn bei Magenschmerzen, Verdauungsproblemen, bei Husten, Fieber oder Schwindel. Man konnte ihn genau wie Kaffee oder Tee am Ende einer Mahlzeit trinken.

Unerwartete Folgen

Madame de Sévigné, die zunächst gerne Kakao konsumierte, revidierte ihre Meinung jedoch in einem Brief vom 25. Oktober 1671 und schrieb an ihre schwangere Tochter: „Die Marquise de Coëtlogon hat so viel Kakao getrunken, als sie im letzten Jahr schwanger war, dass sie einen kleinen Jungen zur Welt brachte, der schwarz war wie der Teufel und starb.“ Bedienstete zu beschäftigen, die aus Afrika stammten, war damals sehr in Mode...