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Kaschrut – jüdische Speisevorschriften

Mahlzeiten nehmen im Leben gläubiger Juden einen bedeutenden Platz ein. Sie müssen nach strengen, als Kaschrut bezeichneten Speisegesetzen zubereitet werden und gelten als eine der wichtigsten Grundlagen der jüdischen Vorstellungswelt und Kultur. Kaschrut umfasst sowohl die Kriterien, die erlaubte von verbotenen Speisen unterscheiden, als auch die Gesetze, nach denen sie für den Verzehr zuzubereiten sind. Lebensmittel, die beidem entsprechen, werden als koscher bezeichnet: sie sind für den Verzehr zugelassen.
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© Shutterstock - Reno Martin

Eine Vielzahl von Regeln

Die Gesetze der Kaschrut sind präzise und müssen von jedem gläubigen Juden strikt befolgt werden. Sie enthalten mehrere grundsätzliche Regeln, die tierische und pflanzliche Lebensmittel sowie verbotene Speisen und die Produktion koscherer Kost betreffen.

Tiere und Pflanzen

Auch wenn der Verzehr von Tieren erlaubt ist, muss er nach klar definierten Regeln erfolgen. In der Thora (hebräische Bibel) werden die Tiere in vier Kategorien unterteilt: die auf dem Land lebenden, die fliegenden, die im Wasser lebenden und die auf dem Boden kriechenden Tiere. Die auf dem Land lebenden Tiere haben zwei wesentliche Bedingungen zu erfüllen, um für koscher zu gelten: sie müssen Wiederkäuer und Paarhufer sei. In der Thora steht geschrieben: „Dies sind die Tiere, die ihr essen dürft unter allen Tieren auf dem Lande. Alles, was gespaltene Klauen hat, ganz durchgespalten und wiederkäut unter den Tieren, das dürft ihr essen.“ (3. Buch Mose, 2-3) Die Thora stellt keine anatomischen Kriterien auf, um koscheres Geflügel zu bestimmen; doch listet sie verbotene Vögel -vor allem Greifvögel - auf. Hausgeflügel gilt als für den Verzehr geeignet. Von den im Wasser lebenden Tieren werden diejenigen als rein angesehen, die Flossen und Schuppen haben. Mithin sind alle wirbellosen Tiere verboten: Weichtiere, Schalentiere und andere Meeresfrüchte. Schliesslich sind alle Reptilien, Amphibien und Insekten nicht koscher, mit Ausnahme einiger Heuschreckenarten.

Erlaubte Tiere müssen nicht nur äusserlich einer reinen Art angehören, sondern dürfen auch an keiner Krankheit leiden. An Land lebende Tiere und Geflügel müssen ausserdem nach einem bestimmten Ritual geschlachtet werden: der Schechita (Schächten). Sobald sie eines natürlichen Todes gestorben sind, sind sie für den Verzehr ungeeignet. Fische hingegen bedürfen keiner rituellen Schlachtung, sie müssen nur lebendig aus dem Wasser gezogen werden.

Auch Pflanzen unterliegen der Kaschrut, doch sind hier die Vorschriften weniger streng als für Tiere. Vegetarische Speisen müssen in eigens dafür bestimmtem Geschirr zubereitet und serviert werden. Blattgemüse muss peinlich genau untersucht werden, um sicherzustellen, dass sich kein mit dem Auge erkennbares Insekt in ihm befindet. Ausserdem darf Obst von einem neu gepflanzten oder umgesetzten Baum erst nach drei Jahren verzehrt werden. Einige gläubige Juden vermeiden es auch, Getreide zu essen, das von der ersten Ernte eines Feldes stammt.

Das Verbot von Blut und die Produktion koscherer Lebensmittel

Die Thora verbietet den Verzehr von Blut und des Ischiasnervs. Zwischen Schlachthof und Küche muss das Fleisch von den letzten Blutresten befreit, d.h. koscher gemacht werden. Das muss innerhalb einer Frist von drei Tagen nach der Schechita geschehen, weil das Blut sonst gerinnt. Dafür sind drei Schritte notwendig: Beim Waschen (Cheriyya) wird das Fleisch 30 Minuten lang vollständig in Wasser gelegt, wodurch es weicher und für den zweiten Schritt, das Salzen (Meli‘ha), vorbereitet wird. Dann bedeckt man das Fleisch allseits mit Salz und lässt es eine Stunde lang auf einem Brett liegen, bevor es noch zweimal gewaschen wird. Das Auswaschen (Hada‘ha) ist nicht obligatorisch, wenn das Fleisch gegrillt wird.

Das Dilemma der Giraffe

Einige auf dem Land lebende Tiere erfüllen die beiden Kriterien der Kaschrut, ohne in der Thora genannt zu werden, doch steht ihrem Verzehr ein technisches Dilemma im Weg: Bei der Giraffe zum Beispiel weiss niemand genau, an welcher Stelle des Halses die rituelle Schlachtung exakt vorgenommen werden muss.