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Gütesiegel biologischer Landwirtschaft

Verbraucher verstehen Bio-Gütesiegel als Qualitätsbeleg; es gibt aber Kritik. Ihre Vielfalt verhindert den Durchblick; für Produzenten, vor allem in Entwicklungsländern, ist die Zertifizierung (zu) teuer. Bei auf Basis bilateraler Verträge importierter Bio-Ware werden Produkte unterschiedlicher Standards miteinander gleichgestellt.
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© Getty Images / Photothek / Thomas Trutschel - EU-Bio-Logo (links) und ergänzend das deutsche Bio-Siegel (rechts), Berlin, Deutschland, 2016

Grenzen der Bio-Zertifizierung

Seit den 1970er Jahren interessieren sich Verbraucher in Europa und den USA für Produkte aus biologischem Anbau. Um Missbrauch im wachsenden Bio-Markt vorzubeugen, wurden Standards, Zertifikationen und Kontrollen des Bio-Anbaus nötig, damit der Anspruch den Tatsachen entspricht. Private Organisationen zur Förderung biologischen Landbaus erstellten Normen und Zertifizierungsverfahren, wobei sie sich auf die Minimalanforderungen der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) stützten. Zwischen 1980-1990 verordneten Regierungen der Schweiz und Europas Förderungen für die Umwandlung konventioneller Landwirtschaft in Bio-Betriebe. Die 1993 in Kraft getretene europäische Verordnung zum ökologischen Landbau galt zuerst für Ackerbau, dann auch für Viehzucht, Aquakultur, Textilherstellung, Futterpflanzen und seit Ende der 1990er Jahre schliesslich für Kosmetika. Gleichzeitig inspirierte sie rechtliche Regelungen in anderen Weltregionen – Japan, Kanada, USA – und beeinflusste die Verordnungen für Bio-Landbau der Codex Alimentarius-Kommission, der neuen Referenz für nationale Verordnungen und internationalen Handel.

Angesichts der wachsenden Zahl von Gütesiegeln suchen westliche Länder zugunsten des internationalen Handels die Kosten der Kontrollen zu reduzieren. Bilaterale Abkommen sollen die Gütesiegel vergleichbar machen, so dass Herstellungs- und Zertifizierungsverfahren der Bio-Landwirtschaft gegenseitig anerkannt werden.

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© Bio Suisse - Das Knospen-Gütesiegel von Bio Suisse


Der Verbraucher sieht die Zertifizierung im Bio-Anbau als Qualitätsmerkmal an; es gibt jedoch drei zentrale Kritikpunkte. Zunächst muss eine anerkannte Organisation die Produkte zertifizieren, damit sie mit Bio-Gütesiegel verkäuflich und exportierbar sind. Das verursacht Kosten, die Landwirte vor allem in Entwicklungsländern stark belasten. Um ihnen beim Export zu helfen, vergeben Nicht-Regierungsorganisationen (NGO’s) Bio-Gütesiegel nach einem festgelegten und überprüften Pflichtenheft. Parallel dazu schaffen Produzenten eigene Gütesiegel zur Förderung des lokalen Handels mit Bio-Produkten nach einem partizipativen Kontrollsystem: Verbraucher und andere lokale Erzeuger überwachen aktiv die Produktqualitäten.

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© Shutterstock / Keith Homan - Pepper Jack-Käse mit dem amerikanischen Gütesiegel für biologische Landwirtschaft USDA Organic, USA, 2. November 2016


Der zweite Kritikpunkt betrifft im Rahmen bilateraler Wirtschaftsabkommen importierte Bio-Ware. Wird z.B. ein Bio-Produkt aus den USA in die EU eingeführt, kann sowohl das EU- als auch das US-Gütesiegel verwendet werden. Damit werden Produkte gleichgestellt, die tatsächlich unterschiedlichen Anforderungen genügen. Denn nur die Herkunftsbezeichnung unterscheidet das amerikanische Produkt vom europäischen ‚Äquivalent‘. Der unterschiedliche Antibiotika-Einsatz bei der Bio-Produktion zeigt die Grenzen solcher Gleichstellung auf. So findet man in den USA kein europäisches Bio-Fleisch, da im Gegensatz zur EU die USA Antibiotika in Bio-Tierzucht verbieten; in anderen Bereichen haben die USA weichere Bedingungen (kein permanenter Zugang zum Aussenbereich, Minimierung der Transportdauer usw.). Andererseits erlauben die USA Antibiotika bei Äpfeln und Birnen als Notmassnahme – in Europa ist dies verboten, weshalb sich kein einziger amerikanischer Bio-Apfel in europäischen Auslagen findet.

Die dritte Kritik betrifft die Bekanntheit der Gütesiegel in der Öffentlichkeit. Die Verbraucher haben kaum Zugang zu den jeweiligen Pflichtenheften; zudem schafft das Nebeneinander verschiedener Siegel mehr Verwirrung als Aufklärung.