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Ekel und Abneigung vor Nahrungsmitteln

Ekelgefühl kann kulturell, psychisch oder physisch bedingt sein. Entsprechend ist Ekel individuell oder sozial bestimmt. Die Gründe seiner Entstehung sind unklar, werden aber in einer Schutzfunktion vor ungeniessbaren Lebensmitteln vermutet.
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© Shutterstock / anna mori - Cuy chactado - Gegrilltes Meerschweinchen in Peru

Was essbar ist und was nicht

Die Unterscheidung geniessbarer von ungeniessbarer Nahrung variiert je nach kultureller Disposition. Natürliche und kulturelle Voraussetzungen bestimmen Vorlieben und Abneigungen gegenüber Essbarem; sie verfestigen sich zum Traditionsmuster der Esskultur. Auch Ekelgefühle können als evolutionäres Erbe zum Schutz vor Nahrungsgiften sowohl angeboren als auch nach schlechten Erfahrungen erworben sein; Bitteres wird von Kindern abgelehnt, später geschätzt. Aasgeruch von verwesendem Eiweiss löst Brechreiz aus, der vor Vergiftung schützt; anderseits kann Käse oder der Haut-Gout von Wildbret zur Delikatesse werden. Religion oder Weltanschauung tabuisieren bestimmte Objekte als unrein, so Judentum und Islam das Schwein, der germanische Kulturkreis das Pferd, allgemeiner alle Haustiere wie Hund und Katze.

Der Ursprung des Ekels

Neben dem emotionalen oder kulturellen Ekel gibt es die Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel, die einer persönlichen oder kollektiven Haltung entspricht und wesentlich unbegründet ist. Rosenkohl oder Austern sind weder schädlich noch tabuisiert, lösen aber vielfach Widerstreben aus. Hier wirkt die Vorstellung abstossend, Insekten oder Maden zu schlucken, obwohl sie unschädlich, sogar nahrhaft sind. Orangensaft, in einem Uringlas angeboten, löst Abscheu aus. Furcht vor verunreinigendem Kontakt verstärkt den Widerstand; ein Insekt im Glas würde auch das Getränk vergällen und sogar den Trinkenden Selbstekel aussetzen. Derart unwirkliche Übertragung lässt z.B. Moslems schon beim Gedanken an Schweinefleisch Ekel und Angst empfinden. Dieses Denken jenseits des Rationalen im Bereich der Einbildung stellt eine magische Verbindung zwischen Essen und Essendem her, wie sie auch das Sprichwort „Man ist, was man isst“ (Ludwig Feuerbach) reflektiert. Ein weiteres Verhaltensmotiv ist rationale Abwehr – z.B. gegen Giftpilze oder aussterbende Tierarten wie Wale.

Abneigung gegen Fleisch

Abscheu vor Nahrungsmitteln betrifft vor allem Fleisch. Nicht alles Fleisch wird von allen als geniessbar angesehen. Fleisch ist schmackhafter Lieferant von Nährstoffen, jedoch beunruhigt die Vorstellung, sich ein anderes Lebewesen einzuverleiben; dann wird Fleischverzehr als aggressiver Akt empfunden, der die Tötung eines Tieres verschuldet. Der Verzehr von Haustieren oder Affen gilt wegen emotionaler oder ,genetischer’ Beziehung als symbolischer Kannibalismus. Wir meiden Esswaren, die uns sehr vertraut oder sehr fremd sind, zum Beispiel sich von Aas ernährende Tiere. Wo in westlichen Gesellschaften Fleisch unkenntlich präsentiert wird, berühren Innereien, Eingeweide, Hirn, Augen – Organe, die an ihre einstige Funktion erinnern – Ekelgefühle. Die Aversion gegen Unreinheit wird durch Gesundheitskrisen wie z.B. „Rinderwahn“ verstärkt.