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Die Thermalkur

Die heilenden Kräfte des Mineralwassers waren bereits in der Antike bekannt. Bis ins 17. Jh. nutzte die lokale Bevölkerung die Quellen, ehe an diesen Stellen im 18. Jh. Thermalbäder entstanden: das belgische Spa, das französische Aix-en-Savoie und vor allem Bath in Grossbritannien, das Modellcharakter hatte. Während die Ärzte im 17. Jh. empfahlen, bis zu vier Liter Wasser täglich zu trinken, sollte man sich zwei Jahrhunderte später mit einem massvollen Genuss aus speziellen Messgläsern begnügen.
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©akg-images - Thermaltherapie, Lukasquelle, Vichy, 1900

Möchten Sie noch ein Glas? Thermalkuren und Mineralwasser

Die therapeutischen Wirkungen natürlicher Mineralwässer sind seit der Antike bekannt. Die Hälfte aller heute noch bestehenden Thermalbäder wurde auf den Ruinen römischer Thermen errichtet. Im Mittelalter suchte vor allem die lokale Bevölkerung die natürlichen Quellen auf, um sich zu waschen und das ‚wundertätige Wasser‘ zu trinken, von dem sie sich Linderung ihrer Leiden erhoffte. In der Renaissance lenkte das neu aufkommende Interesse an der Antike die Aufmerksamkeit auf die mineralischen Quellen, die allerdings noch keine touristischen Attraktionen waren. Die Anreise war beschwerlich und es fehlte an Unterkünften.

Die Kehrtwende vollzog sich im 18. Jh. Überall wurde gebaut und Europa erhielt seine ersten funktionalen Thermalbäder: Spa in Belgien, Aix-en-Savoie in Frankreich und vor allem Bath in Grossbritannien, das Modellcharakter hatte. ‚Aller aux eaux‘ - ‚Zu den Wassern gehen‘ - wurde im Französischen ein Synonym für Ferien und noblen Müssiggang. Die Aristokraten flohen aus den Städten in die Thermalbäder, um dort ihren Spleen zu behandeln, die Melancholie, die nach der bis in die Zeit der Aufklärung vorherrschenden Viersäftelehre (Humoralpathologie) die grösste Gefahr für die Gesundheit darstellte. Die Ärzte verordneten Bäder, Getränke und vor allem gesellschaftliche Spiele und Vergnügungen. Damals hing der gute Ruf der Bäder mehr vom sozialen Status ihrer Besucher ab, als von ihrer therapeutischen Wirkung. Bath beispielsweise wurde dank seines Thermalbades zu einem kulturellen und sozialen Zentrum. Gleich nach einer Reise durch Italien, bei der die Jugend der wohlhabenden Schichten - insbesondere bei Aufenthalten in Rom und Venedig - ihre Bildung vervollständigen sollte, galt Bath als zweitwichtigstes Reiseziel. Unter dem Vorwand einer Kur begaben sich gut situierte Bürger dorthin, um ihrem Traum vom sozialen Aufstieg näher zu kommen, indem sie Verbindungen zur Aristokratie, die sich dort aufhielt, knüpfen wollten - eine solche Annäherung war in der Hauptstadt undenkbar. In Frankreich eröffneten in den Thermalorten Kasinos, die ansonsten verboten blieben. Erst nach und nach wurden die Quellen geschützt, und ab dem 19. Jh. regulierten und kontrollierten Thermalärzte die Kuren.

Während die Ärzte im 17. Jh. in einigen Thermalbädern wie etwa Vals empfahlen, bis zu vier Liter Mineralwasser täglich zu trinken, rieten sie im Frankreich des 19. Jh. zu einem ‚massvollen Konsum‘. Das Getränk wurde als Ergänzung einer Therapie gesehen, die sich vor allem auf die Wirkung des Badens stützte. Deshalb verschrieben die Ärzte die Verwendung von Messgläsern, welche die Kurgäste in einem kleinen Weidenkorb bei sich trugen. Jedoch beklagte die Académie de médecine française (französische Medizin-Akademie) die grosse Zahl der Menschen, die nach eigenem Gutdünken tranken und sogar Wettbewerbe veranstalteten, um zu sehen, wer am meisten trinken konnte!

Zur selben Zeit erlebte die Hydrologie eine neue Blüte, und die natürlichen Mineralwasser wurden analysiert: Ihre medizinische Wirkung musste sich aus ihrer Zusammensetzung ergeben. Zudem begannen die Thermalbäder, ihre ‚Geschäftsgrundlage‘ in Flaschen abzufüllen und zu exportieren: Contrexéville, Henniez, Vittel, Vichy und Évian sind nur einige Beispiele. Doch diese Anfangszeit war mühsam. Glasflaschen waren teuer, der Transport war verlustreich, und die hygienischen Bedingungen bei der Abfüllung liessen zu wünschen übrig. Das Wasser war nur bedingt haltbar, und die Ärzte in den Städten empfahlen aus hygienischen Gründen das Trinken von künstlich hergestelltem Sprudelwasser.

Im Verlauf des 20. Jhs. versiegte die Anziehungskraft der Thermalzentren. Das Kurwasser wandelte sich zum Tafelwasser, und die Namen der Badeorte entwickelten sich zu kommerziellen Marken für Mineralwasser, das sich weltweit verkauft.