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Über uns

Entomophagie

In der westlichen Welt stehen Insekten nicht auf dem Speiseplan. Da sie mit Schmutz oder Tod assoziiert werden, können Europäer sich nicht vorstellen, sie zu essen. Ernährungswissenschaftlich betrachtet sind jedoch zahlreiche Insekten essbar. Zur dauerhaften Nahrungssicherung könnte die Entomophagie eine zukunftsweisende Lösung bieten. Dazu müsste sich aber der kulinarische Blick auf Insekten in der westlichen Welt ändern.
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© GettyImages / Fernando Trabanco Fotografía - Mehlwürmer zum Probieren bereit

Abscheu vor Insekten

Während Insektenverzehr in vielen Weltregionen üblich ist, kommen sie in Westeuropa nicht auf den Tisch. Allein die Vorstellung, ein Insekt zu essen, löst hier Ekel aus, der weder kognitiv begründet noch objektiv ist und auf unserem subjektiven Bild von Nahrung basiert. Die westliche Welt sieht in Insekten abstossendes, wimmelndes Ungeziefer, das mit Schmutz, Verwesung, Krankheit und Tod assoziiert wird. Als wuselnde, stechende Parasiten erschrecken sie uns. Ihr Verzehr ist daher problematisch; allein die Vorstellung, Insekten zu Ernährungszwecken sich einzuverleiben, ist aus hygienischen Gründen „kaum vorstellbar“ (Fischler, 2001) und kann heftige Abwehr bis hin zu Körperreaktionen wie Erbrechen hervorrufen. Entomophagie ist jedoch so alt wie die Menschheit, wie vorgeschichtliche menschliche Koprolithe aus Nordamerika bezeugen. Die Bibel sagt, Johannes der Täufer habe sich in der Wüste von Heuschrecken ernährt (Matthäus, 3 :4). In Nordafrika und im Mittleren Orient sind diese Ernteschädlinge auch heute eine beliebte Nahrung. Plinius der Ältere schreibt, dass die Römer sie, in Honig getaucht, als Delikatesse ansahen, ebenso wie mit Mehl gemästete Cossi (Hirschkäferlarven). Im 19. Jh., wurden in Südfrankreich Maikäfer-Larven über dem Holzfeuer geröstet und verzehrt.

Aus westlicher Sicht eine Notlösung für die Ernährung

Der Westen betrachtet Insektenverzehr als Notfall zum Überleben und als Zeichen äusserster Armut, wenn ein Volk aus Mangel auf Insekten als Nahrung angewiesen ist. Dennoch sind viele Insekten essbar, sogar ernährungswissenschaftlich interessant und gesundheitlich vorteilhaft. Seit einigen Jahren entstehen in Europa Insektenfarmen, um Fleisch als Nahrungsmittel zu ersetzen: Hier könnte eine Antwort zur dauerhaften Nahrungssicherung liegen. Dafür bedürfte es aber eines Umdenkens. Denn das Hauptargument ist der wirtschaftliche und ökologische Nutzen von Insekten, nicht ihr Wohlgeschmack. Es bedarf folglich der Entwicklung eines Geschmackserlebnisses, um den umweltfreundlichen Insektenverkehr im Westen einzuführen.

Das Insekt abstrakt gesehen

Die Esskultur bestimmt jenseits ernährungswissenschaftlicher und gesundheitlicher Kriterien, was als essbar gilt. Versuche, Insekten in der westlichen Welt zu vermarkten, stossen auf Abneigung oder sogar Ekel, den ihr Anblick auf dem Teller auslöst. Zur Problemlösung denken die Hersteller an die Produktion von Insektenmehl. So ist das Insekt im Nahrungsmittel nicht mehr erkennbar und erscheint nur noch auf der Zutatenliste. Übrigens essen wir unwissentlich bereits Insekten – 500 g pro Jahr in Salat und Früchten, und Schildläuse als natürlichen Farbstoff E120, der in Erdbeerjoghurt und anderen verarbeiteten Nahrungsmitteln enthalten ist. Wer hätte jetzt gern ein Larvensteak oder ein Heuschreckensurimi?