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Die christliche Fastenzeit

Lange Zeit war die christliche Fastenperiode eine strenge Jahreszeit: Sie forderte sexuelle Enthaltsamkeit, Verzicht auf Fleisch, manchmal auch auf Eier und Milchprodukte. Sie wird verstanden als Zeit des Gebets und der Busse. Die christlichen Fastenregeln gelten heute als Folge der Säkularisation nicht mehr so streng wie früher. Dahinter steht heute mehr die Idee des freiwilligen Verzichts, den viele sich auch aus nichtreligiösen Gründen auferlegen.
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CC-BY-SA - Yelkrokoyade / Pieter Bruegel d.Ä., Der Kampf zwischen Karneval und Fasten, 1559, Kunsthistorisches Museum, Wien

Die Pflichten der Fastenzeit

Die christliche Fastenzeit (gotisch: fastan, (fest)halten, beobachten, bewachen) ist die strengste der von der Kirche vorgeschriebenen Verzichtsperioden. Sie dauert vierzig Tage - vom Aschermittwoch (erster Tag der Fastenzeit, nach dem Faschingsdienstag) bis zur Osterwoche. Die ersten Überlieferungen stammen aus dem 4. Jh. in Erinnerung an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte. Christen gilt die Fastenzeit als Anlass zu Gebet und Busse, Reinigung und Vorbereitung auf Ostern. Wie streng die Regeln der Fastenzeit waren, variierte über die Zeiten. Ursprünglich war nur eine abendliche Mahlzeit gestattet, später kam ein zweiter Imbiss hinzu. Neben dem Nahrungsverzicht entwickelten sich weitere Pflichten: sexuelle Enthaltsamkeit, Verbot von Hochzeiten und Verzicht auf Vergnügungen (z.B. blieben die Theater geschlossen).

Verbotene Lebensmittel

Im Mittelalter galten strengere Vorschriften für die christliche Fastenzeit als für die restlichen „mageren“ Tage des Jahres. Fleisch und tierische Produkte waren verboten. Auch durften weder Eier, noch Butter, Sahne, Milch oder Käse gegessen werden. Einige Regionen, die wenig oder kein Öl herstellen konnten, erhielten – um Fettmangel zu verhindern - die Erlaubnis, Butter zu verzehren. Solche Abmilderungen der Karenzzeit waren möglich, wenn die Gläubigen begründet um eine Dispens (Befreiung) nachsuchten. Doch solche Dispensen wurden oft erkauft, was der Kirche eine wichtige Einnahmequelle sicherte. Die Reformation kämpfte gegen derartige Praktiken, die sie als unwürdiges Geschacher verurteilte.

Wein und Liköre waren als Getränke während der strengsten Fastenperioden verboten. Nichtnahrhafte Getränke waren hingegen erlaubt; allerdings gab es heftige Diskussionen darüber, ob ein Getränk nahrhaft sei oder nicht. Theologen und Mediziner diskutierten z.B. lange den Fall der Trinkschokolade, die dann schliesslich Ende des 17. Jhs. erlaubt wurde.

Gefastet wird heute immer noch – oder wieder

Heute sind die christlichen Fastenregeln weniger streng. Wer diese Zeit bewusst erleben möchte, entscheidet sich freiwillig dafür, auf Vergnügungen, Süsses, Alkohol oder Ablenkungen zu verzichten. Ausserhalb eines religiösen Kontexts sehen wir eine neue Fastenbegeisterung zur Gesundheitsförderung und Gewichtsreduzierung. Hier treten ‚Entschlackungs‘-Kuren mit Fruchtsäften und Gemüse an die Stelle der gewohnten Ernährung; Kliniken bieten heute Rundumpakete des Fastens an. So verzichtet man ohne religiöses Motiv auf Zucker und Fett in der Ernährung.

Zucker gilt als Medikament!

In der westlichen Welt gilt Zucker als begehrtes Nahrungsmittel. Deshalb erstaunt es umso mehr, dass Zucker hier selbst in den strengsten Fastenperioden nicht zu den von der Kirche verbotenen Nahrungsmitteln gehört. Die Frage wurde einst diskutiert. Es war jedoch Thomas von Aquin im 13. Jh., der feststellte, dass Zucker die Verdauung fördere und deshalb erlaubt sei. Damals wurde Zucker in Apotheken verkauft und vor allem als Medikament oder Gewürz verwendet.