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Angst vor neuen Nahrungsmitteln (Neophobie)

Unter Nahrungsmittel-Neophobie versteht man die Angst, neue Nahrungsmittel zu probieren. Sie tritt vor allem bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren auf.
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© Getty Images / Claudia Rehm

Neophobie (von griechisch neos, neu, und phobein, fürchten) ist die Angst vor allem, was neu oder unbekannt ist. Die Nahrungsmittel-Neophobie oder Angst, noch unvertraute Nahrungsmittel zu probieren, wird als normale Phase in der Entwicklung eines Kindes angesehen und tritt bei 50 bis 75 % aller Kinder auf. Sie zeigt sich im Allgemeinen im Alter zwischen zwei und sechs Jahren, lässt dann nach und verschwindet schliesslich ganz. Sie kann jedoch in bestimmten Fällen bis ins Erwachsenenalter fortdauern. Die Ablehnung eines neuartigen Nahrungsmittels entsteht bereits bei dessen Anblick und nicht erst beim Probieren. Es ist wichtig, zwischen Menschen zu unterscheiden, die „schwierig“ sind und unbekannte wie auch bekannte Nahrungsmittel, deren Geschmack sie nicht mögen, zurückweisen und solchen, die an einer Nahrungsmittel-Neophobie leiden und alle ihnen unbekannten Nahrungsmittel ablehnen.

Neophobie bei Kindern

Das Phänomen der Neophobie, der Angst vor unbekannten Nahrungsmitteln, ist zunächst ein evolutionär begünstigter Überlebensmechanismus. Er liess Menschen den Verzehr potenziell giftiger Pflanzen vermeiden. Deshalb auch lehnen Kinder Nahrungsmittel mit dem für chemische, giftige oder schädliche Produkte typischen Bittergeschmack ab.

Neophobie kommt bei Neugeborenen sehr selten vor; sie beginnt erst, wenn das Kind von der Muttermilch zu fester Nahrung übergeht. Ihren Höhepunkt erreicht sie mit zwei bis sechs Jahren, mit zunehmendem Alter nimmt sie wieder ab. Neophobie kann zu Nährstoffmangel führen, denn die Ablehnung trifft oft Früchte und Gemüse mit ihren für den Organismus lebenswichtigen Vitaminen.

Studien zufolge konstruieren sich Kinder ein Bild davon, wie ein akzeptables Nahrungsmittel aussehen und riechen sollte. Sie lehnen also ab, was diesem Bild nicht entspricht. Erkennen Kinder ein Nahrungsmittel visuell und akzeptieren es, so kosten sie es auch. Anschliessend beurteilen sie den Geschmack subjektiv positiv oder negativ und verknüpfen diese Erfahrung wiederum mit ihrem Idealbild. Dauerhaft positive Erfahrungen mit einem Nahrungsmittel verringern die Vorbehalte eines Kindes. Studien haben gezeigt, dass ein abgelehntes Nahrungsmittel acht Mal angeboten werden sollte, damit das Kind es zu akzeptieren lernt.

Die positive Präsentation eines unbekannten Nahrungsmittels - sei es durch eine unterhaltsame Zubereitungsart oder eine lustige Präsentation auf dem Teller - scheint die jeweilige Phobie zu mildern. Erzwingt man dagegen den Verzehr einer unbekannten Speise, verstärkt sich die Phobie. Schränken Eltern selbst den Verzehr eines bestimmten Nahrungsmittels dauerhaft oder auch nur für einige Zeit ein, dann scheint das Kind dieses Verhalten zu übernehmen, und seine Neophobie verstärkt sich.

Neophobie bei Erwachsenen

Während die Angst vor neuen Lebensmitteln normalerweise in der Jugend verschwindet, kann sie in einigen Fällen bis ins Erwachsenenalter anhalten. Solche Erwachsenen beschränken ihre Ernährung auf wenige vertraute Produkte und lehnen neue Nahrungsmittel ab. Sie leiden oft an Mangelerscheinungen, aber auch an sozialer Ausgrenzung.

Neophobie wird ebenfalls bei älteren Menschen beobachtet. Sie kann zahlreiche Ursachen haben. Schlechte Zahngesundheit oder Magenbeschwerden können ein Grund sein, bestimmte Lebensmittel zu meiden.

Neophobie und Geruchswahrnehmung - Behandlungsmöglichkeiten

Gerüche spielen eine wichtige Rolle für menschliche Gefühle und Erinnerungen. Je nach einströmendem Geruch richten wir unser Verhalten danach aus. Der Geruchssinn warnt z.B. bei potenziell gefährlichen Umwelteinflüssen oder hilft, lebenswichtige Nahrungsmittel zu erkennen. Ausserdem hat er über die Wahrnehmung von Aromen Einfluss auf unsere Ernährung. Studien haben gezeigt, dass neophobe Menschen Gerüche (mit und ohne Zusammenhang mit Lebensmitteln) weniger angenehm empfinden und weniger intensiv wahrnehmen als nicht betroffene Menschen. Ihr unterentwickelter Geruchssinn lässt sie Gerüche schlechter identifizieren. Ihre Neophobie könnte also in der Angst vor mit Gerüchen verbundenen schlechten Erfahrungen begründet sein.

Neophobie verschwindet im Allgemeinen mit dem Älterwerden. Dauert die Phobie jedoch an, was in seltenen Fällen vorkommt, empfiehlt sich eine Verhaltenstherapie. Dieser Ansatz zielt darauf, die Patienten neuen Nahrungsmitteln auszusetzen, an ihrer Wahrnehmung zu arbeiten und Ernährungsberatung zu bieten. So lernen die Betroffenen nach und nach ihnen bisher unbekannte Lebensmittel kennen.