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Fasnacht
07
Februar
2017
William Türler
William Türler
Traditionell stehen zur ‚Fünften Jahreszeit’ süsse, jedenfalls sättigende Spezialitäten hoch im Kurs. Vor der Fastenzeit wollte man den Körper möglichst reichlich mit Kalorien versorgen. Ein Überblick.
Masken, Karneval von Venedig, Italien ©Shutterstock/canebisca

Trotz jeweiliger Besonderheiten weisen Fasnachtsbräuche weltweit Gemeinsamkeiten auf: Während der Feste verkleidet man sich und trifft sich zum Tanzen, Singen, Musizieren, Konfettiwerfen oder zu Strassenparaden. Gemeinhin richtet sich die ,Fünften Jahreszeit’ nach dem christlichen Kalender und wird zwischen Dreikönig (6. Januar) und Fasnachtsdienstag (zwischen 3. Februar und 9. März gefeiert).

Die vor allem in katholischen Regionen Europas verbreitete Fasnacht war ursprünglich an jahreszeitliche und landwirtschaftliche Zyklen gekoppelt. Die griechischen Dionysien und römischen Lupercalien können als Vorgänger heutiger Fasnacht gelten. Oft haben die bei diesen Anlässen getragenen Masken apotropäische, Unheil und Verwünschungen abwehrende Funktion.

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Ernährungsmässig betrachtet stellt die christliche Fasnacht die letzte Gelegenheit dar, vor der Fastenzeit fettes Essen zu verspeisen. Während dieser bis Ostern dauernden 40 Tage darf kein Fest gefeiert werden, Nahrhaftes wie Milchprodukte, Fleisch, Fett und Zucker ist aus dem Speiseplan ausgeschlossen. Gerade diese Speisen vor dem Fastenbeginn ein letztes Mal in grossen Mengen zu essen, gilt als Ursprung und Sinn der Fasnacht.

 

Krapfen und Pfannkuchen stehen hoch im Kurs

„Der Sinn der Fasnacht ist, sich vor dem Fasten einen Fettvorrat zuzulegen“, resümiert Fabien Pairon, Dozent für angewandte Künste an der École hôtelière de Lausanne (EHL). Deshalb gibt es meist süsse Speisen. In Belgien beispielsweise findet man an jeder Strassenecke Waffeln. In Frankreich und Italien bevorzugt man Krapfen. Je nach Region wird die Fasnacht unterschiedlich gefeiert. Im Süden Frankreichs sind die Krapfen unter dem Namen ganses bekannt. Sie werden in Olivenöl gebacken und mit Puderzucker bestreut. In Saint-Étienne und Lyon werden sie bugnes genannt, während man im Languedoc-Roussillon mit Zitrone und Orangenblüte parfümierte oreillettes findet. In Italien heissen die Krapfen castagnole. In Venedig sind sie dreieckig und erinnern an die bunten Rauten der Harlekin-Kostüme. Man findet auch chiacchiere, deren Name von ‚Plauderei‘ herstammt, was an zwanglos Leichtes erinnert. Denn die chiacchiere sind einfach zuzubereitende, luftige Krapfen, die weniger Gewicht als Kalorien haben.

Auch Pfannkuchen haben ihre Bedeutung, vor allem in den zentralen Regionen Frankreichs und der Bretagne, wo sie unter dem Namen galettes bekannt sind. „Die Pfannkuchen haben eine interessante Symbolik“, betont Fabien Pairon. „Sie erinnern an die Sonnenscheibe, also an die Rückkehr des Lichts in den im Frühlingsbeginn länger werdenden Tagen.“

In Deutschland werden vielerorts „Berliner“ genannte Krapfen verzehrt. In Spanien ist die Fasnacht die grosse Zeit der torrijas (in Milch, Zucker, Ei getauchte und in Öl frittierte Brotscheiben). Auf die typischen Krapfen, buñuelos oder pestiños genannt, trifft man auf Schritt und Tritt. Die Madrider bartolillos, die rosquillas de Semana santa (ringförmige Krapfen) oder die leche frita (frittierter Pudding) sind ebenfalls Spezialitäten dieser Jahreszeit.

 

Auch herzhafte Speisen

Auch herzhafte Spezialitäten werden – wenn auch seltener – an Fasnacht gegessen. In Portugal und Brasilien ist während des Karnevals die feijoada (traditionelles Gericht aus Schweinefleisch, Bohnen und Reis) angesagt. Dabei gibt es kleine Unterschiede: In Brasilien wird sie mit schwarzen Bohnen, in Portugal – vornehmlich im Norden – mit Schweinsohren oder mit Paprika und milden Peperoni zubereitet. In der Schweiz kennt die Basler Fasnacht drei Spezialitäten: die Mehlsuppe, den Zwiebelkuchen und die Fastenwähe (Kümmelbrezel).

Wie man sieht, gibt es zu jeder Fasnacht Spezialitäten und besondere, manchmal überraschende Bräuche. Während der Kölner Fasnacht, Karneval genannt, werden z.B. hunderte Tonnen Bonbons („Kamelle“) von den Umzugswagen in die wartende Menschenmenge geworfen. Beim Karneval im belgischen Binche essen die Einwohner bevorzugt Austern und ‘Oranges du Gille’ (kleine Blutorangen). Im französischen Dünkirchen werden die feiernden Narren mit in einen Schutzfilm gepackten geräucherten Heringen beworfen.

Website von Fabien Pairon www.fabien-pairon.com
Die Basler Fasnacht www.fasnachts-comite.ch
Carnaval de Venise www.venise-carnaval.com
Rio, History of Carnival www.rio.com/rio-carnival/
[Links aufgerufen am 06.02.2017]

COLLECTIF, 2012. Le grand Larousse gastronomique - nouvelle édition. Larousse : Hors collection Cuisine.

http://cuisine.larousse.fr/livre/le-grand-larousse-gastronomique-nouvelle-edition-9782035884596

GASTINEAU, Benjamin, 1862. Le Carnaval ancien et moderne. Histoire de la Folie humaine. Paris : Poulet-Malassis.

https://play.google.com/books/reader?id=YSf8lM274MMC&printsec=frontcover&output=reader&hl=en_GB&pg=GBS.PA3

[Links aufgerufen am 06.02.2017]

William Türler
William Türler
Berater
Lausanne, Switzerland

Heute ist William Türler PR-Berater. Fast 15 Jahre lang war er als Journalist tätig und schrieb bevorzugt über die Themen Wirtschaft, Gesundheit, Gastronomie, Uhren und Hotellerie.

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