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Zutatenlisten auf Verpackungen

Jede Zeit hat eigene Gesetze und Prozesse, um Qualität und Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln zu kontrollieren. Seit den 1940er Jahren beeinflussten die entstehende Ernährungswissenschaft sowie die Kriegswirtschaft die Weise, wie die Zutaten auf Produkten zu kennzeichnen sind. Heute schreibt der Codex Alimentarius die internationalen Richtlinien bezüglich der Zutatenliste auf Verpackungen fest.
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© AlimentariumWürfelförmige Maggi-Bouillon-Dose, 1909-2000

Kriegswirtschaft und Lebensmittelsicherheit

Wie die Frage nach der Herkunft der Lebensmittel auf unseren Tellern gehört die Transparenz von deren Zusammensetzung zur Lebensmittelsicherheit und zum Respekt vor dem Verbraucher. Mit den geltenden Verordnungen soll Betrug verhindert und das Vertrauen der Verbraucher in die Esswaren aufrechterhalten werden. Die Kontrolle der Zutatenmengen ging schon immer mit deren Qualitätsüberwachung einher (Bruegel, 2004). Solche Regelungen waren bereits in Antike und Mittelalter in Kraft. In England beispielsweise legte The Assize of Bread and Ale (Erlass zu Brot und Bier) 1266 das zulässige Gewicht eines Brotlaibs fest und schloss ausdrücklich die Verwendung von Erbsen- oder Bohnenmehl aus, das als minderwertig betrachtet wurde. Die Verwendung dieser Mehlsorten galt als Lebensmittelbetrug und stellte eine nach dem Gesetz strafbare Handlung dar.

Seit den 1940er Jahren beeinflusste die Lebensmittelbeschaffung während des Zweiten Weltkriegs und das Aufkommen der Ernährungswissenschaft die länderspezifischen Regelungen hinsichtlich der Angabe des Verpackungsinhalts. In einer von Rationierung geprägten Kriegswirtschaft organisierten mehrere Länder staatliche Kontrollbehörden. In Grossbritannien gründete das Ministerium für Ernährung 1943 das Institut für Lebensmittelregelungen und Kennzeichnung sowie 1948, dem Gründungsjahr der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Food Standards Commitee. 1945 wurde die UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) von den Vereinten Nationen gegründet. Die Überprüfung der Lebensmittelkennzeichnung, zu der die genannten Organisationen beitrugen, ging Hand in Hand mit dem Übergang zur Friedenswirtschaft und der Diversifizierung des Angebots.

Die Kommission Codex Alimentarius wurde 1961 von der Welternährungsorganisation und der WHO ins Leben gerufen. Sie startete ein Programm für Lebensmittelstandards auf internationaler Ebene, um die Mitgliedsstaaten für diese Fragen zu sensibilisieren. In einigen Staaten wurden nationale Regelungen umgesetzt.

Zutatenverzeichnis: nationale Regelungen

Heute unterliegt das Zutatenverzeichnis vom Codex Alimentarius festgelegten allgemeinen Regelungen. Diese Liste fungiert als „Transparenz- und Zuverlässigkeitserklärung“ seitens der Produzenten. Sie muss vollständig sein. Die Überschrift muss mit dem WortZutatenbeginnen. Die Zutaten werden einschliesslich der Zusatzstoffe absteigend nach ihrem Gewichtsanteil zum Herstellungszeitpunkt aufgeführt. Im Fall von zusammengesetzten Zutaten sind diese in einer Klammer aufzulisten. Allergene sowie die Zugabe von Wasser müssen ebenfalls deutlich erwähnt werden. Wenn präzise Angaben über enthaltene Allergene unmöglich sind, wird das Produkt nicht für den Handel zugelassen. Bestimmte Zutatengruppen wie Öle, Stärke, Fisch, Käse, Kräuter und Gewürze können unter dem Namen der zugehörigen Kategorie erwähnt werden, die in vollständiger Form in der Liste des Codex aufgeführt ist.

Schokoladenkrieg

Am 23. Juni 2000 setzte die Richtlinie 2000/36/CE des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats dem seit 27 Jahre andauernden „Schokoladenkrieg“ innerhalb der Europäischen Union ein Ende. Einige Mitgliedsstaaten konnten sich nicht über die Zusammensetzung von Schokolade einigen. Eine Partei war der Ansicht, dass Kakaobutter und weitere pflanzliche Fette in Schokolade erlaubt sein sollten, was die andere Partei ausschloss. Vor der einheitlichen Regelung durch diese europäische Richtlinie galt in jedem Land unterschiedliches Recht.