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Militärrationen

Die Verpflegung der Truppen bestimmte oft den Kriegsausgang. Bis zur Erfindung der Appert‘schen Konservierung im 19. Jh. waren Brot und Pökelfleisch die Grundnahrungsmittel für Frontsoldaten. Die Marine bevorzugte als Getränke Bier, Wein und Rum, da sie sich besser als Wasser konservieren liessen. Seit dem Ersten Weltkrieg findet sich die Konservendose im Marschgepäck des Soldaten, die dann ab den 1980er Jahren durch eine komplette, im Beutel eingeschweisste Mahlzeit ersetzt wird.
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©Getty Images / Matt Cardy - Britische Soldaten testen die neue Truppenverpflegung, Bristol, 2009

„Brot für die Soldaten“ - eine kurze Geschichte der ‚Kampfration‘

„Eine Armee marschiert auf ihrem Magen“, soll Napoleon gesagt haben. Denn im Lauf der Geschichte bestimmte die Truppenverpflegung oft den Ausgang von Schlachten. Vor Erfindung der Appert‘schen Konservierung und der Konservendose im 19. Jh. bestanden die Militärrationen aus Brot sowie getrocknetem und gepökeltem Fleisch.

Das Römische Reich unterhielt die erste professionelle Armee der westlichen Welt. Jeder Soldat erhielt eine Ration von zwei Pfund Brot pro Tag, ausserdem Fleisch, Olivenöl und Wein. Im Byzantinischen Reich waren die Infanteristen angehalten, Rationen für bis zu 20 Tage bei sich zu tragen. Ausserdem gehörte eine kleine Handmühle zu ihrer Grundausstattung, um Körner zu mahlen und Paximadion herzustellen, ein hartes, trockenes (Gersten-)Brot, das lange aufbewahrt werden konnte. Bei Feldzügen beschlagnahmte die Armee oft die Vorräte der lokalen Bevölkerung. Manchmal kauften die Soldaten auch mit ihrem Sold Nahrung, um ihre Ernährung zu ergänzen oder zu variieren.

Bei der Kriegsmarine waren die Bedingungen noch schwieriger. Während der Napoleonischen Kriege galt für die britische Marine zum Beispiel das Rationierungssystem „vier für sechs“: vier Portionen für sechs Männer. Grundnahrungsmittel war wieder Brot, in diesem Fall in Form eines harten, trockenen Kekses aus Erbsmehl und gemahlenen Knochen. Das Pökelfleisch war so hart, dass die Matrosen lieber zum Zeitvertreib damit schnitzten. Statt Wasser, einem knappen und verderblichen Gut, wurden alkoholische Getränke konsumiert, die sicherer und einfacher aufbewahrt werden konnten: zunächst Bier, dann Wein und, wenn es nichts anderes mehr gab, auch Rum.

Die Erfindung der Weissblechdose durch Peter Durand im Jahr 1810 revolutionierte die Truppenverpflegung. Im Ersten Weltkrieg kamen in grossem Umfang iron rations (Eiserne Rationen) zum Einsatz. Diese garantierten den Soldaten erstmals auch Gemüse in ihrer Kost. Die britischen Bataillone verfügten zum Beispiel über zwei Bottiche in Industriegrösse, um die Mahlzeiten zu kochen - die aber nur selten bei den Soldaten an vorderster Front ankamen. Diese mussten sich mit Maconochie zufriedengeben, einem Eintopf aus Rüben und Karotten, den sie direkt in der Dose erwärmten.

In der Zwischenkriegszeit entwickelte die amerikanische Armee drei Arten von nahrhaften und leichtgewichtigen Essensrationen. Die C-Ration wurde vom Zweiten Weltkrieg bis zum Vietnamkrieg eingesetzt. Sie umfasste drei Gerichte in Konservenform (Rindfleisch mit Kartoffeln, Reis oder Nudeln), dazu drei Kekse, Karamellbonbons, etwas Würfelzucker, ein Päckchen löslicher Kaffee und einen Dosenöffner. Die D-Ration war eine Notfallration in Form eines Schokoladenriegels. Sie wurde als leichtes und nahrhaftes, aber nicht allzu appetitliches Essen entwickelt, damit die Soldaten es nur im Bedarfsfall verzehrten. Die K-Ration, kleiner und leichter als die C-Ration, war für die Truppen an vorderster Front gedacht. Sie kam zum Beispiel bei der Landung in der Normandie zum Einsatz.

In den 1980er Jahren hat die amerikanische Armee Konservendosen aufgegeben und stattdessen essfertige Gerichte, im Beutel eingeschweisst, eingeführt: die sogenannten „MRE“ (Meals, Ready-to-Eat). Es gibt jetzt vielfältige „Menüs“ mit 24 verschiedenen Gerichten, zu denen auch vegetarische, koschere und halal-Varianten gehören.

Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist

Nahrungsmittelbezeichnungen als Spitznamen für Soldaten waren zu allen Zeiten üblich. Die Legionäre des Römischen Reichs trugen den Spitznamen bucellarii, der von bucellatum kam, dem Brot, das ihr Grundnahrungsmittel war. Britische Matrosen erhielten im 19. Jh. den Namen limey (zitronig), weil damals die Zitrusfrucht zum Kampf gegen Skorbut in ihre Ernährung aufgenommen wurde.