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Japanische Teezeremonie

In Japan entstand unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus ein Ritual rund um den Tee, das sich zu einem streng reglementierten Zeremoniell entwickelte. Der Zeremonienmeister, die Zubereitung des Getränks, die Gesten und das Dekor: Alles dient nur einem Zweck, nämlich einen einzigartigen Augenblick voll Harmonie und Ruhe zu gestalten.
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Teezeremonie, Japan, 1890
© Getty Images / Popperfoto

Die Entstehung der Zeremonie

Es wird erzählt, dass ZEN-Mönche in China bereits im 9.Jh. Grünen Tee aus fein pulverisierten Blättern, Matcha genannt, bereitet hätten. Und es sei ein buddhistischer Mönch gewesen, der den Tee Ende des 12.Jhs. nach Japan brachte. Der Konsum dieses Teepulvers verbreitete sich bald im ganzen Land. Am Kaiserhof diente der Tee als Vorwand für gesellschaftliche Veranstaltungen. Die Samurai organisierten Bankette, bei denen deren Gäste mit verbundenen Augen die Herkunft des Tees erschmecken mussten. Auch Mönche schätzten den Tee, denn er förderte die Meditation. Nach und nach bildete sich festgelegtes Ritual für das Teetrinken heraus. Es ist von den Zen-Prinzipien Einfachheit und Klarheit geprägt. Alle Verrichtungen der Teezubereitung sind ebenso wichtig wie der Teegenuss selbst. Im 16. Jh. erlebte diese zeremonielle Praxis ihren Höhepunkt und spielte eine bedeutsame Rolle im Leben der Samurai. In dieser von politischen Unruhen geprägten Zeit fanden fortwährend Kriege zwischen den Herrschenden statt. Die Krieger suchten – abseits der Kampfhandlungen und Hektik des Alltags – Ruhe und Halt in diesem entspannenden, klar gegliederten Ritual. Daneben kannte die Teezeremonie auch eine mondänere Spielart, bei der Ästhetik eine grosse Rolle spielte und die den Regeln der Kunst entsprechend ausgeführt wurde.

Das Ritual

Die Teezeremonie wird in einem einfachen Gartenpavillon, dem Teehaus, abgehalten. Da die Eingangstür sehr niedrig ist, müssen sich die Gäste beim Eintreten bücken - ein Zeichen der Demut. Die Schuhe (sowie in früheren Zeiten die Waffen der Samurai) bleiben draussen vor der Tür. Das Dekor im Innern ist nüchtern: Eine auf  die Wand gemalte Pinselzeichnung, ein Blumenarrangement in einer Vase und im Mittelpunkt ein Teekessel über dem Feuer. Zu Beginn können Kleinigkeiten zum Essen angeboten werden. Der Tee wird immer mit Matcha (feinem Pulver aus Grünem Tee) zubereitet, das mit einem Bambusquirl in heisses, nicht kochendes Wasser gerührt wird. Traditionell wird die Teeschale von einem Gast dem nächsten weitergereicht.

Der Teemeister

Im 16.Jh. spielte der japanische Teemeister Sen No Rikyû eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Zeremonie. Er verknüpfte die vier taoistischen Prinzipien - Harmonie, Respekt, Reinheit und Gelassenheit - mit der Teezubereitung, aber ebenso mit dem Raumschmuck und den Utensilien. Er war es auch, der die berühmten Raku-Schalen in Schwarz und Rot entwarf, die das Grün des Tees hervorheben. Sein Schicksal erregte die Geister. Rikyû, eine wichtige und gleichzeitig bewunderte wie beneidete Persönlichkeit, erhielt von seinem Herrscher den Befehl, ins Exil zu gehen und Suizid zu begehen. Vielleicht stand jener zu sehr im Schatten Rikyûs. Jedenfalls ersuchte er nicht um Gnade, sondern gehorchte und tötete sich auf ehrenvolle Weise selbst. Er hinterliess die „sieben Geheimnisse des Wegs des Tees“, die durch die Teezeremonie leiten.

     Bereite eine köstliche Tasse Tee zu;

     Platziere die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzen kann;

     Arrangiere die Blumen, wie sie auf dem Feld stehen;

     Sorge für Erfrischung im Sommer und für Wärme im Winter;

     Bereite alles rechtzeitig vor;

     Stelle dich auf Regen ein, selbst wenn es nicht regnet;

     Schenke allen deinen Gästen die höchste        Aufmerksamkeit.

Auch heute noch wird die Teezeremonie von den Nachkommen Sen No Rikyûs gelehrt, die an der Spitze von drei Schulen für die Weitergabe dieser Tradition stehen.