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Der Vegetarismus im Hinduismus

Der Vegetarismus folgt aus dem hinduistischen Gebot der Gewaltlosigkeit. Er steht in der Hierarchie der hinduistischen Nahrungsmittelsysteme ganz oben und ist in den Landessitten verankert. Seine Ausgestaltung kann jedoch je nach Region oder Gemeinde unterschiedlich sein. Obwohl das Interesse am Fleischkonsum in Indien gegenwärtig wächst, bleibt der Verbrauch von – insgesamt teurem - Tierfleisch dennoch relativ niedrig.
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© Shutterstock - Jiri Hera - Hülsenfrüchte

Eine religiöse Tradition

Der Vegetarismus hat sich im Hinduismus erst im Laufe der Zeit durchgesetzt. Ursprünglich war der Verzehr von Fleisch und Fisch erlaubt, sofern das Tier den Göttern geopfert wurde und dieses Opfer die Tötung rechtfertigte. Als die Religion zunehmend vom ahimsā, dem ‘Nicht-Verletzten‘ beeinflusst wurde, entwickelte sich der Verzicht auf Fleisch und Fisch zur kultiviert-vornehmen Verhaltensweise. Schliesslich setzte sich der Vegetarismus als Ernährungsmodell der Gewaltlosigkeit durch. Zugleich wurden Fisch und Fleisch wegen des abstossenden Schlachtvorgangs als unrein betrachtet. Der Vegetarismus wurde deshalb von der Kaste der Brahmanen (der in der hinduistischen Gesellschaft höchsten Priestergruppe) praktiziert und stieg damit hierarchisch an die Spitze der Ernährungsgewohnheiten.

In der Praxis unterscheidet sich der Vegetarismus jedoch je nach Region, Familie und sozialer Schicht. Selbst innerhalb der Kaste der Brahmanen bestehen Unterschiede. Zum Beispiel verzehren die Brahmanen des Kaschmir (ein Staat im Norden Indiens) Fleisch, und die Brahmanen Bengalens (ein Staat im Osten Indiens) essen Fisch.

Die Einführung der Fleischernährung

Selbst wenn der hinduistische Vegetarismus als Ernährungsweise in den indischen Sitten verankert ist (25 % bis 35 % der Bevölkerung gelten als Vegetarier), gibt es auch andere Ernährungsmodelle. Es kommt z.B. vor, dass der Vegetarismus nicht religiös begründet, sondern nur eine der Möglichkeiten ist, sich mit knappen finanziellen Ressourcen zu ernähren. Viele essen nach wie vor nur selten teures Fleisch: je nach Einkommen nur bei Festen, nur einmal im Monat oder in der Woche. Andererseits wurden Fleisch und Fisch in bestimmten Regionen und Gemeinden Indiens schon immer geschätzt – z.B. bei den Rajputen im Staat Rajasthan (im Nordwesten Indiens). Zudem steigt in Indien heutzutage die Vorliebe für Fleisch wieder. Prozentual gesehen muss die Bedeutung des Fleischkonsums in Indien allerdings relativiert werden. Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge betrug der jährliche Fleischverbrauch 2005 in Indien 5,1 kg pro Kopf – im Vergleich zu 82 kg in Europa.

Neue Trends

Neben dem von religiösen Hindus praktizierten Vegetarismus gibt es in Indien auch einen von ‘westlichen Vorstellungen‘ geprägten Fleischverzicht. Die Entscheidung dafür ist eher eine individuelle, denn eine kollektive und versteht sich vielmehr als Reaktion auf die fortschreitende Urbanisierung und Industrialisierung. In diesem Kontext verbindet sich Vegetarismus mit Gegenwartsthemen wie Gesundheit und ausgewogener Ernährung. Diese Art der Ernährung basiert nicht auf tierischen Proteinen, sondern auf Pflanzen- und Gemüseprodukten.