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Das bewusste Fasten

Nicht zu essen hängt oft von Nahrungsmangel ab, doch kann es auch um eine freiwillige, persönlich oder gesellschaftlich entschiedene Einschränkung gehen – es gibt sie seit Jahrtausenden. Dieser Verzicht, das Fasten, verlangt eingeschränkte oder – bis auf gesüsstes Wasser, Früchtetee oder Kaffee - gänzlich verweigerte Nahrungsaufnahme. Fasten kann spirituell, gesundheitlich, religiös oder politisch begründet sein.
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Im antiken Griechenland sollten die Athleten ihre Körper durch Fasten auf die physischen Belastungen der Olympischen Spiele vorbereiten
© Shutterstock / nikolaich

Viele Gründe, zu fasten

‚Fasten‘ leitet sich vom althochdeutschen Verb fastēn ab; es bedeutet (am Enthaltsamkeitsgebot) „festhalten“. Im weiteren Sinn meint Fasten auch, sich aller Vergnügungen zu enthalten. Allgemein versteht man Fasten als Zügelung oder völligen Verzicht auf Nahrungsaufnahme. Im Lauf der Geschichte haben Ethnien für therapeutische oder spirituelle Zwecke gefastet - etwa im Alten China, in Sibirien, bei den amerikanischen Indianern, den Polynesiern oder auch den Kelten. Im antiken Griechenland sollten die Athleten ihre Körper durch Fasten auf die physischen Belastungen der Olympischen Spiele vorbereiten. Es galt aber gleichzeitig als Mittel, Intelligenz und Einsicht zu fördern; so fastete etwa Pythagoras 40 Tage, bevor er die Prüfungen an der berühmten Schule von Alexandria absolvierte. Dabei gewahrte er an sich solch grosse Geistesklarheit und Körperkraft, dass er das Fasten später seinen Schülern verordnete.

Auch die grossen Religionen schrieben jährliche Fastenzeiten vor, während derer die Gläubigen auf Nahrung weitgehend verzichten sollten - etwa die österliche Fastenzeit der Katholiken oder der Ramadan der Muslime. Fasten verlor jedoch über die Jahrhunderte an Bedeutung und wandelte sich zum freitäglichen Fleischverzicht bei den Katholiken und zum muslimischen Verbot, während des Ramadan tagsüber zu essen. Darüber hinaus hat sich Nahrungsverzicht bei einigen Bevölkerungsgruppen weltweit erhalten - so etwa bei den Hunzukuts in den Himalaya-Hochtälern Pakistans. Sie bereiten sich durch Fasten auf eine neue Phase ihrer Existenz vor.

In Extremfällen fasten Menschen über einen längeren Zeitraum und nähren sich von sogenannter Lichtnahrung. Im Mittelalter wurde diese Fastenform, die Anorexia mirabilis, von der Kirche als Kriterium zur Heiligsprechung anerkannt, da sie spirituelle Gottesnähe bewies. Einige indische Sadhus sowie tibetanische Buddhisten praktizieren auch heute noch diese Art des Fastens. In esoterischen Kreisen des New Age behaupten die Fastenden, sich ausschliesslich von Lichtnahrung zu ernähren. Sektenbeauftragte wenden sich dagegen; sie stufen solche Praxis als gesundheitsgefährlich und verhängnisvoll ein, da sie weltweit bereits Todesopfer gefordert habe.

Neben Gesundheit und Glauben besass Fasten auch aggressive Züge: Japaner konnten in alter Zeit durch Fasten die Ehre eines Feindes beschmutzen. Fasten diente aber auch zur Begleichung einer Schuld: In Indien konnte ein Schuldner vor dem Haus seines Gläubigers fasten, bis er die Schuld auf diese ehrbare Weise abgegolten hatte. Ferner stellt Fasten bis heute ein probates Mittel dar, moralischen Druck auf staatliche Autoritäten auszuüben. Berühmtes Beispiel des 20. Jhs. ist Gandhi, der 17 Hungerstreiks unternahm, um gegen die Rassendiskriminierung der Engländer gegenüber den Indern zu protestieren. Fasten kann darüber hinaus Solidarität und Mitgefühl mit Trauernden ausdrücken - etwa bei Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunami.