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Aquakulturtechnik

Aquakultur in Süss- oder Meerwasser, die in natürlichen oder gebauten Becken stattfindet, benötigt spezielle Technik und Hilfsmittel. Vom Einsetzen der Wasserorganismen in ihre Wachstumsumgebung über die künstliche Befruchtung bis zur Entnahme der ausgewachsenen Exemplare züchtet Aquakultur Mengen gleichartiger Tiere zum direkten Verzehr oder für Folgeprodukte wie Kaviar. 2011 stammte weltweit einer von zwei Fischen aus Aufzucht.
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© Getty Images / seraficus - Intensive Forellenzucht in den Abruzzen, Italien

Die Notwendigkeit nachhaltiger Aquakultur

Aquakultur hat eine lange Geschichte, sie wird seit Jahrhunderten betrieben. Trotz zahlreicher Parallelen zur Landwirtschaft entwickelte sie sich wegen mangelnder Kenntnis von Umweltbedingungen und Bedürfnisse der Meeresorganismen langsam. In der zweiten Hälfte des 20. Jhs. stieg die Nachfrage nach Lachs, Garnelen, Aalen und Barsch stetig; Aquakultur begann den Fischfang zu entlasten, so dass sie heute die Hälfte der weltweiten Fischproduktion (einschliesslich Weichtieren, Krustentieren, Algen) für den Verzehr erbringt. Da sie Fischbestände und Umwelt schont, kann sie zur Bekämpfung des Hungers beitragen – die Weltbevölkerung wird im Jahr 2050 auf mehr als 9 Milliarden Menschen wachsen. Die Zuchtmethoden sollen in Verantwortung vor und nachhaltig im Einklang mit der Natur stehen.

Aquakulturmethoden - Vorteile und Schwierigkeiten

Extensive Aquakultur im Teich dient in erster Linie der Zucht von Süsswasserarten, besonders des Karpfen s. Die Teiche sind so angelegt, dass sie den Fischen ein komplettes Ökosystem und alle Nahrungsressourcen bereitstellen. Diese Kultur beeinflusst die Umwelt wenig und stärkt die Artenvielfalt. Sie eignet sich zudem zur Aufzucht verschiedener Arten in Mischkultur mit einseitiger und/oder komplementärer Ernährung sowie für integrierte Zucht in Kombination mit Landwirtschaft  oder Vieh- oder Geflügelzucht.

Intensive Süsswasser-Aquakultur legt verbundene Becken nahe bei Gewässern an. Die Fische (Forelle, Aal, Stör, Tilapia usw.) werden hier bis zur Erreichung der Verkaufsgrösse gezüchtet. Es gibt sie als Fliesswassersystem mit durchgeleitetem Flusswasser, Rückführungssystem oder in geschlossener Anordnung an: hierbei wird das Wasser gefiltert in die Becken zurückgeleitet. Das Fliesswassersystem benötigt wenig Energie, erweist sich aber dennoch als unprofitabel, da sich Temperatur, Reinheit und Sauerstoffgehalt des Wassers stetig ändert und somit die Rentabilität der Fischzucht negativ beeinflussen - abgesehen von ungewollt eingeschleusten Fressfeinden. Ein Rückführungssystem wiederum verschlingt viel Energie, ermöglicht dem Züchter jedoch die Kontrolle der Wasserqualität. Hier werden die Fische mit künstlichem Futter ernährt und bis zum Verkaufsgewicht gehalten.

Brackwasser eignet sich gut für semi-extensive Kulturen zwischen Fischfang  und extensiver Zucht. Die in Italien praktizierte Vallikultur reicht in die Antike zurück und nutzt Verhaltensweisen bestimmter Fischarten: Lagunen werden vom Meerwasser abgeschlossen und die eingefangenen Fische bis zum Verzehrgewicht darin gehalten. Zur Verfahrensoptimierung setzt man zusätzlich Fischbrut aus Brutanlagen ein und ergänzt die natürliche Nahrung in der Lagune durch Zusatzfutter, das den gezüchteten Arten (Seezunge, Garnelen , Rotbarbe, Weichtiere, Stör  usw.) entspricht. Vallikultur fokusiert sich auf heimische, natürlich zusammenlebende Arten und ermöglicht so Mischzucht. Sie hat kaum Auswirkungen auf die Umwelt und schützt die Artenvielfalt der Lagunen.

Seefischarten werden sowohl an Land in Becken, als auch auf offener See in Netzgehegen gezüchtet. Becken mit Meerwasser eignen sich für Plattfische wie Seezunge. Sie nutzen das Rückführungssystem für optimale Wasserbedingungen, die hohe Produktivität erlauben. Aquakultur in Netzgehegen wird z:B. für Lachse eingesetzt. Ein mit Schwimmkörpern besetzter Rahmen hält das geschlossene Netz an der Wasseroberfläche, Gewichte verankern es ortsfest im Meeresgrund. Über den Wasserspiegel wird ein Netz gespannt gegen Vögel und um springende Lachse am Entkommen zu hindern. Die Netze werden überwacht, gereinigt und je nach Fischwachstum durch grössermaschige Typen ersetzt, um konstante Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten und Abfallablagerungen (Exkremente, Kadaver, Futterreste usw.) zu verhindern, die die Lebensbedingungen beeinträchtigen und z.B. Eutrophierung verursachen. Unerwünschte Erhöhung von Nährstoffen schadet durch Vermehrung invasiver Arten und Phytoplankton, was wiederum zu Sauerstoffmangel führt. Die Fische werden von Hand unter Beachtung der Strömung in der Regel mit künstlichem, speziell artgerecht ausgerichtetem Futter gemästet. Eine solche Zuchtanlage ist kostengünstig, jedoch anfällig für Diebstahl und Wetterkapriolen; deshalb muss sie ständig überwacht und gewartet werden.

Für die Zucht von Schalenweichtieren (Austern, Muscheln usw.) wird Laich von Unterlagen  wie Stäben, Schalen, Leinen usw. eingesammelt und in die küstennahe Zuchtanlage gebracht. Die zweischaligen Tiere ernähren sich von Phytoplankton und organischen Partikeln im Wasser. So wirken sie wie ein natürlicher Filter zur Wasserreinigung und gegen Eutrophierung.