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Forschung und Innovation
Bring die Sonne auf den Teller
14
Mai
2014
Patrizia Coggiola
Ein finnischer Chefkoch und ein spanischer Designer haben eine Solar-Küche entworfen. Sie funktioniert ausschliesslich mit Sonnenenergie. Die Gerichte schmecken jedes Mal etwas anders. Und wenn es bewölkt ist oder regnet?

Lapin Kulta Solar Kitchen, ein Gemeinschaftsprojekt des finnischen Kochs Antto Melasniemi und des spanischen Designers Martí Guixé, ist ein mobiles solarbetriebenes Restaurant mit speziellen Kochstationen. Die Sonnenstrahlen werden zum Kochen genutzt. Ein wahrhaft nachhaltiges Küchenmodell, mit direktem Bezug zur Umwelt und zum Klima. Und an wolkigen Tagen gibt es Salat …

Seit 2011 existiert Lapin Kulta Solar Kitchen als Food-Design-Projekt des spanischen Designers Martí Guixé und des finnischen Food-Visionärs Antto Melasniemi. Mit Sonnenenergie kochen ist nichts Neues. Aber ein Restaurant mit Solarküche – das ist schon etwas Besonderes. Bei Lapin Kulta Solar Kitchen wird nur mit alternativer Energie gekocht: mit der Sonne. Und je nach Sonnenscheinstärke hat die naturbetriebene Küche solare Grillgerichte, bei geringer Hitze Zubereitetes oder Salate im Angebot.

Drei Sommer lang reiste Martí Guixé in Begleitung des visionären finnischen Kochs Antto Melasniemi quer durch Europa der Sonne hinterher. Dabei experimentierten sie mit der Sonnenwärme, die sich überraschend und positiv auf Geschmack und Konsistenz des Essens auswirkt und ein völlig neues Geschmackserlebnis erzeugt. Das Lapin Kulta Solar Kitchen Restaurant wurde nach dem 2011 Salone del Mobile im Garten der Mailänder Triennale eröffnet. In den darauf folgenden Sommern stand es in Kalasatama Eteläkärki in Helsinki, auch für Alaska wurde eine Version konzipiert. Das Restaurant ist kurzlebig und hat weder Wände noch Gasträume. Es belebt die antike Idee, dass sich Menschen zum Essen zusammenfinden. Die Kochstationen bestehen aus Stahlhalbkugeln, darum herum sind Tische mit Hockern gruppiert. Die Kochflamme wirkt als Reflexionsmittelpunkt. Die Köche tragen Schutzbrillen.

Es ist zwar bekannt, dass man Solarenergie zum Kochen verwenden kann, aber die Umsetzung ist oft mangelhaft. Bestimmte Parameter des solaren Kochens beeinflussen die Transformation der Nahrungsmittel durch das Kochen. So breitet sich die Hitze durch das ganze Essen aus, und nicht nur per Induktion von unten, wie beim herkömmlichen Kochen. Die benötigte Garzeit variiert sehr stark und ändert sich ständig. Die beiden Faktoren wirken sich auf Geschmack und Konsistenz des Essens aus, was das Geschmackserlebnis jedes Mal wieder verändern kann. Koch und Designer wollen mit diesem Projekt auch die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Gäste auf die Probe stellen, können doch die Vorgaben der Natur zu Planänderungen und Verzögerungen führen. So ist das Lapin Kulta Solar Kitchen Restaurant gleichzeitig ein umweltgastronomisches Kunstprojekt und ein Feinkostlokal. Es unterstreicht den Wert naturgesteuerter Prozesse, fordert die Flexibilität des Menschen bei der Entscheidungsfindung heraus und reagiert auf Realzeitinformationen. Eine Wolke könnte ein ganzes Geschäftsessen verderben. Oder eine zweite Chance für den folgenden Tag eröffnen!

 

Patrizia Coggiola

Journalistin

Patrizia Coggiola arbeitet seit fast fünfzehn Jahren als Journalistin und Mode- und Designredakteurin für internationale Zeitschriften. Sie dreht und produziert Videos und leitet immer wieder redaktionelle Projekte, und zwar sowohl online als auch offline.

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