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Über uns
Unverzichtbare Nährstoffe
Sportliche Leistung steigern
20
Januar
2015
Jacques Décombaz

Vor zwanzig Jahren waren sich viele Wissenschaftler einig: Biochemie und Ernährung steigern sportliche Leistungen. Hunderte von wissenschaftlichen Untersuchungen und Unmengen von Ergänzungsprodukten schienen dies zu bestätigen.

©Howard Schatz

Was früher nur in Apotheken und allenfalls im Fitnessclub erhältlich war, füllt heute die Regale der Supermärkte oder kann im Internet bestellt werden: Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel gibt es zu tausenden. Die auf Sporttreibende zielenden Mittel versprechen schnellere und effektivere Regenerierung, Zunahme der Muskelmasse, Fettabbau und/oder Leistungssteigerung. Die geheimnisvollen Namen der einschlägigen Moleküle, deren Wirkung Laien für wissenschaftlich nachgewiesen halten, lauten: Carnitin, Kreatin, Antioxidantien, Beta-Alanin.

Rösti, Ugali und die Kalorienorgie

Der amerikanische Schwimmweltrekordler Michael Phelps schien sich nichts aus Nahrungsergänzung zu machen: Schon 2008 hatten ihm die Medien nachgesagt, er nehme täglich 12.000 Kalorien in Form von fett-, stärke- und zuckerhaltiger Nahrung zu sich. Der gerade erst zurückgetretene Schweizer Marathon-Europameister Victor Röthlin ass vor jedem Wettkampf mit Vorliebe Rösti. Seine kenianischen Konkurrenten schwören dagegen noch heute allein auf ugali, einen Maismehlbrei. Jeder Amateursportler weiss, dass ein Teller Nudeln am Tag vor dem Wettkampf seine Leistung fördert und er die bei einem Ausdauerwettkampf angebotenen Bananenstückchen tunlichst nicht zurückweisen sollte. Mit anderen Worten: Die Bedeutung von Kohlehydraten für die körperliche Leistung und Regenerierung ist mittlerweile allgemein bekannt, genauso wie eine ausreichende Hydrierung und die Notwendigkeit, die über Transpiration ausgeschiedenen Mineralsalze zu kompensieren.

Vom Labor zu den Qualen auf dem Sportplatz

Jacques Décombaz hat sich zeit seines Berufslebens mit Fragen der Ernährungsphysiologie bei körperlicher Betätigung und sportlicher Leistung befasst. Er wollte die Wirkung von Nährstoffgaben auf den Energieumsatz von Personen bei körperlicher Anstrengung herausfinden. Décombaz, der an der Redaktion des vorliegenden Artikels mitgewirkt hat, ist inzwischen im Ruhestand, nimmt aber nach wie vor an Laufveranstaltungen teil und redigiert die Ernährungs-Rubrik einer Schweizer Zeitschrift für Laufbegeisterte wie er selbst1. Liest man seine Artikel, die durch Genauigkeit bei der Darstellung der Vorgänge beim Energieumsatz sowie bei der Beschreibung von Forschungszielen und -ergebnissen auffallen, wird deutlich, wie all jene Moleküle nach und nach bekannt wurden, die die Welt des Sports in den letzten zwanzig Jahren in Aufruhr versetzt haben.

Was ist heute davon geblieben? Nach anfänglichem Überschwang stehen die Zeichen jetzt eher auf Differenzierung. Als Beispiel seien die Funktionen der Moleküle Carnitin und Kreatin angeführt, die beide ihre Glanz- und Hochzeit bereits hinter sich haben: Man ging davon aus, dass Carnitin bei der Verbrennung der Fettstoffe eine Rolle spielt und Kreatin als Beschleuniger der körperlichen Regeneration und Mittel zur Erweiterung des Trainingspensums fungiert. Die Wechselbeziehung dieser Moleküle mit dem Körper in Belastungs- und Regenerationsphasen konnte unter Laborbedingungen festgestellt und beschrieben werden. Allerdings zeigte sich in der Praxis, dass die chemischen Vorgänge bei körperlicher Leistung weitaus schwerer zu beeinflussen sind. Die besagten Ergänzungsmittel Carnitin und Kreatin, die der Körper auch selbst produziert, sind denn auch den Beweis schuldig geblieben, das sportliche Leistungsvermögen zu verbessern (bei der Rehabilitation hingegen wirkt Kreatin). Zwar fördert eine Kreatinzufuhr die Bildung von Muskelmasse, aber sie begünstigt vor allem die Einlagerung von Wasser. Für einen Sportler, der nicht an Gewicht zulegen will, ist das potenziell kontraindiziert.


 

Was kann man mit Fettzellen machen?

Fettzellen sitzen auch in Muskelfasern „wie kleine Kraftstoffkanister in unmittelbarer Nähe des Vergasers“. Mit wissenschaftlichem Namen heissen sie intramyozelluläre Lipide (IMCL) und haben die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler des Nestlé-Forschungszentrums2 auf sich gezogen, allerdings bisher ohne praktisch verwertbare Resultate. Diese winzigen Fettzellen sind im Hinblick auf Ernährung und Sport durchaus interessant, denn die Muskeln von Ausdauerläufern sind damit geradezu durchzogen. Ein Mensch, der viel sitzt, hat womöglich Fettpolster auf den Hüften, aber nur halb so viel IMCL in den Muskeln wie der Läufer. Letzterer braucht eine starke und regelmässige Energiezufuhr – Lipide verschaffen ihm bei gleicher Menge doppelt soviel Kalorien wie Kohlehydrate. Die lagert er sinnvollerweise möglichst nahe am Ort der Verbrennung ab und verbraucht sie bei Dauerbeanspruchung dann gezielt. Bislang vermuteten Forscher, dass eine Verbesserung der Einlagerungsmöglichkeit die Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum sicherte. Darauf abgestellte Diäten zeigten allerdings bislang keinen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit.

Magisches Denken oder: Wie verbessert man die eigene Moral?

„Seit er auf Gluten verzichtet, ist Novak Djokovic (Tennis-Profi) die Nummer Eins auf der Welt!“ So lautet der Werbeslogan einer Marke, die sich keinerlei Zurückhaltung bei der Werbung für die Wirkung ihrer glutenfreien Nahrungsmittel auferlegt. Weil glutenfreie Nahrung voll im Trend liegt, stehen Ernährungsberater und Mediziner wie Prediger in der Wüste da, wenn sie betonen, dass der Verzicht auf Gluten für die Gesundheit keinen Nutzen bringt, es sei denn, die betreffende Person litte tatsächlich an einer Unverträglichkeit. Der Wunsch, in einer solchen Ernährung ein Wundermittel entdeckt zu haben, ist denn doch zu mächtig. Und hierin unterscheiden sich leistungsorientierte Sportler durchaus nicht von den gewöhnlichen Sterblichen. Seit eh und je wollten die Menschen ihre körperlichen Kräfte durch die Einnahme bestimmter Nahrungsmittel oder Nährstoffe verbessern. Die Athleten der Antike etwa schworen auf Stier- oder Schweinefleisch und auf Met. Heutzutage richtet sich dieser Glaube an die magische Kraft diätetischer Mittel auf Pillen, Geleekapseln und Getränke, denen Vitamine, Coffein, Proteine, Kohlehydrate, Mineralien und weitere Mikronährstoffen zugesetzt sind.

Nützlich oder wirkungslos?

Nahrungsergänzungsmittel können im Hochleistungssport ihre Berechtigung haben, da hier der Organismus des Sportlers ausserordentlichen körperlichen Belastungen ausgesetzt ist. In diesem Zusammenhang bieten die vielversprechenden Ergebnisse der in vitro durchgeführten Experimente die grösste Chance, die Vorgänge im Körper bei sportlicher Belastung zu beeinflussen. Durch minimale, auf die Einzelperson abgestimmte diätetische Modifikationen und/oder durch gezielte Ergänzungsstoffe liesse sich die „Energiemaschine“ des Sportlers je nach Beanspruchung (Belastung durch Dauer, Kraft, Wiederholung usw.) optimieren. Die Nahrungsergänzung ist so lediglich ein bescheidener Faktor des sportilichen Erfolgs, macht doch ihr Anteil an der Leistungssteigerung nicht mehr als ein Prozent, womöglich nicht mal einen Bruchteil eines Prozents aus. Wer allerdings unbedingt siegen will, für den ist dieses winzige Plus Teil eines Ganzen, das ihm eines Tages auf das Siegertreppchen und vielleicht sogar zu einem Rekord verhilft.

Praktisch, gut verdaulich und haltbar

Soviel sollte deutlich geworden sein: Für den Freizeitsportler oder Amateur haben hoch spezialisierte Nahrungsergänzungsmittel letztlich nur wenig Einfluss auf die Leistung. Ganz einfach deswegen, weil er sein physisches Vermögen – Kraft, muskuläre Ausdauer und Lungenvolumen – noch nicht so weit ausgereizt hat, dass ihm eine gezielte Zusatznahrung wirklich den entscheidenden Kick verleihen könnte. Eine ausgeglichene Ernährung, der Verzehr von kohlehydrat- und fettreichen Produkten zum richtigen Zeitpunkt, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ein Trainingsprogramm mit regelmässigen Belastungs- und Entspannungsphasen sind für ihn der Schlüssel zum Spass und Trainingserfolg beim Sport. Aber auch Kraftriegel und isotonische Getränke können sich unter gewissen Bedingungen als hilfreich erweisen. Sie sind kompakt, bruchsicher, nahrhaft, gut verdaulich und haltbar. So helfen sie dem Sportler bei einem Gebirgslauf über eine Schwäche hinweg, beugen einem plötzlichen Leistungsabfall vor und vermitteln ihm das Gefühl, für den Fall der Fälle gewappnet zu sein.

Le Mmmille-Pattes, eine Zeitschrift der Internet-Seite Spiridon romand (französische Schweiz); die Beiträge von Jacques Décombaz sind in jeder Nummer unter der Rubrik «Propos de table» (Tischgespräche) zu finden: www.spiridon.ch (Hier auf den Menüpunkt Divers klicken).

 In Partnerschaft mit der Forschungsabteilung der Berner Universitätsklinik.

Jacques Décombaz

Physiologe

Lizenziat der Naturwissenschaft der Universität Lausanne, diplomierter Ernährungswissenschaftler der Universität Cambridge (GB), Leiter des Nestlé-Forschungszentrums in Lausanne (Schweiz); 21. Internationaler Preis für Moderne Ernährung (1988 mit dem Thema Ernährung und Sport); Preis der Sportwissenschaften des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (1993) für seine Arbeiten über Thema Carnitin. Begeisterter Ausdauersportler im Cross-Country und Gebirge.

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