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Zu Tisch!
Kampf-Nahrung
20
Januar
2015
Emma Graham-Harrison
Die Moral einer Truppe ist eng damit verknüpft, wie gut sie mit Essen versorgt wird. Das hat schon Napoleon mit seinem berühmten Sprichwort „Jede Armee marschiert auf ihrem Magen“ gepredigt. Heutzutage erhalten die Soldaten technologisch ausgeklügelte Nahrungsrationen.

Die Verpflegungspakete widerspiegeln die jeweiligen Landesspezialitäten, aber sind auf ein Minimum reduziert. Der wahre Essgenuss stellt sich nicht ein. Darüber kann auch der Schuss Grappa nicht hinweg täuschen, den die Italiener als einzige Armee erhalten. Emma Graham-Harrison vom The Guardian hat sich in Kabul zeigen lassen, womit die dort stationierten Armeen von elf verschiedenen Nationen verköstigt werden.
Ein Blick auf die Fotos von Armee-Essrationen, die anfangs 2014 verteilt wurden, genügt, um zu sehen für wen sie bestimmt sind: minestra di pasta, Cheddar, knäckebröd, Lachsfilet, Gulasch mit Kartoffeln, cassoulet, Erdnussbutter…Jedes Land hat seine Favoriten. Gleich bleiben sich jedoch die Ziele der Logistik: Stets genügend Essen bereit zu stellen, egal unter welchen Bedingungen.

Corned Beef?

Soldaten während längeren Kampfphasen zu ernähren ist anspruchsvoll. Abgesehen davon, dass die Bedingungen oft schwierig sind – Schneefall, gebirgige Gegenden, heisses oder feuchtes Klima -, haben die Truppen zum Kochen oft nicht genügend Zeit und auch kaum die nötige Ausrüstung. In diesen Situationen hat sich das Corned Beef als ideal erwiesen: Eine kleine Dose mit gepökeltem Rindfleisch, die an Katzennahrung erinnert und unappetitlich riecht. Man kann den Inhalt warm oder kalt essen. Im Zweiten Weltkrieg war dieses salzig eingelegte Dosenfleisch die ideale Lösung, um Soldaten in ihrem stresserfüllten Alltag unter schwierigsten Bedingungen mit gesundem Essen zu versorgen. Diese Art Nahrung sollte ausgewogen, geschmackvoll und attraktiv sein, wasserresistent und leicht, und sie muss einfach und schnell zubereitet werden können. Auch wenn sich das gepökelte Rindfleisch lange aufbewahren liess und hungrige Mägen füllte, entstand mit der Zeit doch eine Abneigung gegen diese Art Verpflegung.

Gewichtsverlust und Mängel

Die K Ration, die von den Amerikanern ab 1942 eingesetzt wurde, war bei weitem appetitlicher (siehe Bild rechts). Sie bestand aus drei leichten, unterschiedlich zusammengesetzten Standardmahlzeiten, die alle ihren minimen Anteil an Wasser enthielten: Biscuits, Schmelzkäse, Bouillonwürfel, Trockenfrüchte, Schokolade, Dosenfleisch, Kaffee, Zucker usw. Obwohl sie ursprünglich für kürzere Einsätze gedacht war, wurde die K Ration den Truppen während Monaten jeden Tag verabreicht. Bald erwiesen sich die 2830 Kilokalorien pro Tag als ungenügend. Soldaten verloren nicht nur an Gewicht, sondern bekamen auch einen Vitaminmangel, der sie anfälliger für Krankheiten machte. Ihre Nahrung musste ergänzt werden, vor allem mit frischen Früchten. 

24 Mahlzeiten für GIs

Heute legen die Armeen nicht nur Wert darauf, wie energiereich eine Nahrung ist, sondern auch, wie sie aussieht und wie sie schmeckt. Die amerikanische Armee hat 24 verschiedenen Typen von Essrationen entwickelt, angereichert mit Vitaminen und Mineralsalzen. Von den 1250 Kilokalorien pro Mahlzeit entfallen 36 Prozent auf Fette und 51 Prozent auf Kohlenhydrate. Frankreich, die Nation der Gourmets, stellt seinen Truppen 12 verschiedene Menüs zur Verfügung. Sie ergeben 3200 Kilokalorien pro Tag, das Verhältnis von Fett zu Kohlenhydraten ist ähnlich wie bei den amerikanischen Rationen. Weil das Essen auch ein geselliger Anlass ist, der die Moral stärkt, können sich die GIs auch grössere Ess-Einheiten teilen, die einfach zum Zubereiten sind und 18 Personen ernähren. Es handelt sich um vier separate Behälter mit Fleisch, stärkehaltigen Nahrungsmitteln, Gemüse und Dessert. Mit dem Ziehen einer Lasche, die eine Salzlösung aktiviert, können diese Behälter in 30 Minuten aufgeheizt werden.

Annika Gil

Italien

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales

 

Die italienischen Essenspakete enthalten einen Schuss vierzigprozentigen Alkohol,  einen Instant-Cappuccino und mehrere Biscotti zum Frühstück.  Auf  einem Einweg-Campingkocher können Bohnensuppe mit Pasta, Truthahn in der Dose und Reissalat erhitzt werden. Zum Nachtisch gibt es einen Energieriegel, einen Obstsalat in der Dose oder einen Schokoladen-Müsliriegel.

Frankreich

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Das schlichte, aber elegante französische Verpflegungspaket bietet den Soldaten Wildpastete, Cassoulet mit Enten-Confit, Schweinefleisch nach kreolischer Art und Schokoladencreme. Zum Kaffee kochen dient ein Einwegkocher.  Ausserdem gibt es ein aromatisiertes Getränkepulver, Müsli zum Frühstück und eine kleine Karamelle (Dupont d'Isigny).

 

Deutschland

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Das deutsche Verpflegungspaket enthält mehrere Beutelchen Getränkepulver mit Grapefruit- und anderen exotischen Geschmacksnoten sowie italienische Biscotti, aber auch typische Spezialitäten wie Leberwurstaufstrich und Roggenbrot, Gulasch mit Kartoffeln und zum Frühstück Kirschen- und Aprikosenmarmelade.

 

Grossbritannien

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Das britische Paket enthält bekannte Marken, von Kenco-Kaffee und Typhoo-Tee bis zu einem Minifläschchen Tabasco-Sauce. Als Hauptgang gibt es unter anderem das Leib- und Magengericht der Briten, Chicken Tikka Masala, und Gemüse-Pasta. Zum Frühstück gibt es auch Speck und Bohnen (pork and beans) und verschiedene Süssigkeiten und Snacks, vom Studentenfutter bis zu einer Apfel-Fruchttasche,  wie sie jeder Schüler in der Brotdose hat. Ausserdem finden sich Päckchen mit Polo-Pfefferminzbonbons und natürlich jede Menge Teebeutel.

 

Australien

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Die australische Ration enthält viel mehr kleine Leckereien als alle anderen Pakete. Das meiste davon wird speziell für die Armee verpackt und reicht vom geliebt-gehassten Vegemite, einem Brotaufstrich aus Hefeextrakt, bis zu mit Marmelade gefüllten Doppelkeksen und einer Tube mit gesüsster Kondensmilch. Die Packung enthält auch einen Flaschenöffner mit Löffel zum Verzehr des Fonterra-Cheddar-Schmelzkäses oder der verschiedenen Hauptgerichte wie Fleischbällchen und Chili-Thunfisch-Pasta. Ausserdem gibt es jede Menge Süssigkeiten und Erfrischungsgetränke und zwei nicht sehr appetitlich aussehende Riegel mit der Aufschrift chocolate ration (Schokoladenration).

 

Spanien

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Das spanische Verpflegungspaket beinhaltet grüne Bohnen mit Schinken, Tintenfisch in Pflanzenöl und Pasteten. Ausserdem gibt es darin ein Päckchen mit Instant-Gemüsebrühe, Pfirsich in Sirup als Nachtisch und Cracker, die anstelle von Brot zur Mahlzeit gegessen werden (nicht abgebildet). Neben einem Einwegkocher mit Streichhölzern und Brennstofftabs finden sich verschiedene Tabletten: Vitamin C, Traubenzucker, Wasseraufbereitungstabletten und solche zur Rehydrierung.

 

USA

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales

 

Mandel-Mohn-Sandkuchen, Cranberries, gewürzter Apfelcider (heisses alkoholfreies Getränk aus den USA) und Erdnussbutter und Cracker finden sich in diesem sehr amerikanischen Verpflegungspaket. Das Hauptgericht – Pasta mit Gemüse-Crumbles in scharfer Tomatensauce – ist nicht ganz so typisch, aber das «flammenlose» Hitzepack zeugt von amerikanischem High-Tech: Einfach nur Wasser zu dem Pulver in der Plastiktüte hinzufügen, und der Plastikbeutel mit der Speise wird durch die entstehende Hitze erwärmt. 

 

Kanada

 
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© Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Im kanadischen Verpflegungspaket gibt es zwar Bear-Paws-Knabbereien, aber Ahornsirup fehlt erstaunlicherweise ganz und gar. Als Hauptmahlzeit haben die Soldaten die Wahl zwischen Lachsfilet in toskanischer Sauce oder vegetarischem Couscous. Ausserdem können sie sich aus den Zutaten ein Erdnussbutter-Marmeladen-Sandwich (Himbeermarmelade) zum Frühstück machen.

 

Norwegen

 
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© Davide Levene/Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Das norwegische Paket ist eine Kombinatiom aus amerikanischer Technologie (Hitzepack) und britischem Geschmack. Enthalten sind Earl-Grey-Tee, Bohnen und Speck in Tomatensauce, ein goldener Haferkeks und Rowntree's Tooty-Frooties-Kaubonbons.

 

Estland

 
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© Davide Levene/Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales

 

Gefüllte Paprikaschoten, Hühnerpastete, geräucherte Sprotten und Leberwurst mit Kartoffeln und Knäckebrot sorgen hier für ein eklektisches Menü. Zum Nachtisch gibt es Halva mit Vanille, während das  Frühstück aus Müsli, einem Fruchtmus und Honig besteht.

 

Singapur

 
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© Davide Levene/Guardian News and Media Limited, 2014, England and Wales
 

Trotz Singapurs Ruf für seine gute Küche ist das Verpflegungspaket eher sparsam bestückt. Es stehen gerade mal drei Angebote zur Auswahl: Szechuan-Nudeln mit Hähnchen, ein Gericht mit Pilzen, Basilikum, Reis und Hähnchen sowie ein Dessert aus roten Bohnen und Sojamilch. Allerdings ist das nur das Hauptgericht.  Jeder singapurische Soldat erhält ein Zusatz-Paket als Teil einer 24-Stunden-Ration, zu der auch Getränke in Dosen und Pulverform, Energieriegel, Konserven, Instant-Nudeln, Kekse, Süssigkeiten, Instant-Tee und -Kaffee, Papiertaschentücher und Hitzepacks gehören.

Photos: ©Copyright Guardian News and Media Limited 2014 Registered in England and Wales No. 908396

Registered office: PO Box 68164, Kings Place, 90 York Way, London N1P 2 / Emma Graham-Harrison

Emma Graham-Harrison

Journalistin

Emma Graham-Harrison lebt in Kabul und ist die Afghanistan- und Pakistan-Redakteurin der Zeitung The Guardian. Davor leitete sie das Afghanistanbüro der Nachrichtenagentur Reuters. Sie hat einen Abschluss in Chinastudien und berichtete fast sechs Jahre aus Beijing, China.

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