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Über uns
Unverzichtbare Nährstoffe
Anreicherung von Grundnahrungsmitteln
20
Januar
2015
Greg Garrett
Obwohl es im letzten Jahrzehnt bei der Verringerung der Unterernährung positive Entwicklungen gab, geht auch heute noch einer von neun Menschen – weltweit 805 Millionen – jeden Abend hungrig ins Bett (1). Zugleich leiden geschätzte zwei Milliarden Menschen unter «verborgenem Hunger», der Unterversorgung mit Mikronährstoffen, d. h. einem Mangel an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralien, die der Körper in geringen Mengen benötigt.
©Giorgio Pesce Atelier Poisson

Vitamin A-,Eisen-,Folsäure-Jodmangel; sind;die;meist; verbreiteten; Unterversorgungskrankheite,; die ein Problem für die Volksgesundheit darstellen. Vitamin A ist für die Vermeidung von Kinderblindheit und für den Schutz des Immunsystems von entscheidender Bedeutung; Eisen kann zur Vermeidung von Anämie und Folsäure zur Vorbeugung von Neuralrohrfehlbildungen beitragen. Schwerer Jodmangel in der Schwangerschaft wirkt sich auf die Schilddrüsenfunktion der Mutter und die neuronale Entwicklung aus.

Diese Mangelkrankheiten benachteiligen ganze Bevölkerungsgruppen – die Kinder entwickeln sich nicht richtig, die Eltern können nicht effektiv arbeiten, und zu viel Geld wird für die medizinische Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten ausgegeben.

Die Global Alliance for Improved Nutrition (Globale Allianz für verbesserte Ernährung – GAIN), 2002 von der UNO ins Leben gerufen, ist die einzige globale Organisation, die sich ausschliesslich der Mangelernährung widmet. Bis dato konnte GAIN 811 Millionen Menschen, davon etwa 369 Millionen Frauen und Kinder, zu erschwinglichen, nahrhaften Nahrungsmitteln verhelfen.

Im Laufe der Jahre haben wir immer besser verstanden, wie wir dieses komplexe Problem angehen müssen, und uns in unserer Mission auf innovative Lösungen mit weit reichenden Auswirkungen konzentriert. Eine davon ist die Anreicherung von Nahrungsmitteln.

Was ist die Anreicherung von Nahrungsmitteln?

Die Anreicherung von Nahrungsmitteln – die Zugabe kleiner, sicherer Mengen von Mikronährstoffen zu Grundnahrungsmitteln und Würzen – ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte im Bereich der Ernährung und kommt Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zugute. Sie ist einfach in der Umsetzung und gehört zu den kostengünstigsten Entwicklungsvorhaben.

In Nordamerika und Europa wird die Anreicherung von Grundnahrungsmitteln und Würzen seit den 1920er-Jahren praktiziert und war u. a. entscheidend für die Ausrottung von Pellagra, Struma, Beriberi und Skorbut. Die Weltbank und der Kopenhagener Konsens(2) betrachten die Anreicherung von Nahrungsstoffen als eine der wichtigsten Entwicklungsinvestitionen, weil dabei die Gesundheit der Menschen verbessert und somit zugleich Produktivität und wirtschaftlicher Fortschritt gefördert werden.

Beispiel: Salzjodierung

Nehmen wir als Beispiel die Salzjodierung. Jodmangel ist weltweit eine der Hauptursachen für vermeidbare geistige Behinderungen und kann einen um 10 bis 15 Punkte verminderten IQ zur Folge haben.

Die Lösung ist ziemlich einfach und billig: Salz wird mit Jod versetzt. Dank der Universellen Salzjodierung (Universal Salt Iodisation – USI), die überall in der Welt erfolgt, ist die Zahl der Länder mit Jodmangel von 54 im Jahr 2003 auf 32 im Jahr 2011 zurückgegangen(3).

Die dadurch erzielten Produktivitätsgewinne sind enorm. Und all das wurde mit relativ geringen Investitionen erreicht. Die Kosten für die Salzjodierung werden auf zwischen 0,5 und 0,10 US-Dollar pro Person und Jahr geschätzt. Für jeden ausgegebenen Dollar schätzt man den sich ergebenden Nutzen – erhöhte Produktivität und reduzierte Gesundheitsausgaben – auf mehr als 26 US-Dollar.

Bei der Speisesalzjodierung gilt übrigens die Schweiz als Vorbild, wo bereits seit 1922 dem Salz Jod zugesetzt wird. Damit war die Schweiz das erste europäische Land, in dem eine solche öffentliche Gesundheitsmassnahme eingeführt wurde(4).

 
 

Der Ansatz von GAIN

Besonders die Entwicklung umfassender Programme zur Nahrungsmittelanreicherung durch GAIN hat gezeigt, dass Partnerschaften mit vielen Interessenvertretern – das heisst die Zusammenarbeit von Regierung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – der Schlüssel zum Erfolg sind.

GAIN unterstützt die Schaffung solcher Bündnisse vor allem, indem es Regierungen, den privaten Sektor (darunter auch Nahrungsmittelfirmen und Mühlenbetriebe), die Zivilgesellschaft, internationale Akteure und die akademische Welt zusammenbringt. Durch diese als National Fortification Alliances (Nationale Anreicherungsallianzen) bekannten Gruppen wird die Kommunikation und Zusammenarbeit verbessert und ein günstiges Umfeld für die Unterstützung und die Beratung in diesem Prozess geschaffen. GAIN fungiert auch als technischer Berater für die Nahrungsmittelbranche sowie als Partner für die Regierungen, die eine verbesserte Qualität und Überwachung von angereicherten Nahrungsmitteln anstreben.

Auswirkungen der Unterstützung durch GAIN

Unsere Arbeit zur Anreicherung von Grundnahrungsmitteln und Würzen mit wichtigen Mikronährstoffen erreicht weltweit über 40 Länder. Durch Anreicherungsprogramme, die von GAIN unterstützt werden, konnten Verringerungen erzielt werden: bei Neuronalrohrfehlbildungen in Südafrika durch Anreicherung von Mehl mit Folsäure; bei Eisenmangelanämie in Nigeria, Jordanien und Marokko durch die Anreicherung von Weizenmehl mit Eisen und bei Eisenmangelanämie in Kenia und China durch mit Eisen angereicherte Sojasauce.

In Indonesien konnte erst kürzlich durch die Anreicherung von Speiseölen mit Vitamin A die Zahl von Vitamin-A-Mangelerscheinungen entscheidend gesenkt werden, und durch die Anreicherung von Baladibrot in Ägypten wurden höhere Eisenzufuhren verzeichnet. In Indien versorgen von GAIN unterstützte Schulspeisungsprogramme, bei denen angereicherte warme Mahlzeiten ausgegeben werden, jetzt fast eine Million Kinder mit einem verbesserten Angebot an Mikronährstoffen.

Mit dem Ziel der Verringerung von Jodmangel in 15 Ländern sind GAIN und UNICEF dank der Finanzierung durch die Bill & Melinda Gates Foundation eine Partnerschaft eingegangen. Seit 2009 bemüht sich diese Initiative, durch nachhaltige, marktorientierte Massnahmen unter der Leitung von Firmen 500 Millionen Menschen mit ausreichend jodiertem Salz zu versorgen.

GAIN hat eine Reihe von Instrumenten entwickelt, die als Forschungsgrundlage für die Bewertung der Wirksamkeit gross angelegter Nahrungsmittelanreicherungsprogramme dienen, wie zum Beispiel der Fortification Assessment Coverage Toolkit (FACT). Eine unter Verwendung von FACT durchgeführte Umfrage bestätigte, dass in Senegal mittels gross angelegter Nahrungsanreicherungsbestrebungen in einem relativ kurzen Zeitraum wichtige Fortschritte erzielt werden konnten. Das führte in weiten Teilen der Bevölkerung zu einem verbesserten Ernährungsstand, vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter, von denen man bei der Hälfte von einem hohen Risiko der unzureichenden Versorgung mit Mikronährstoffen ausgeht. FACT zeigte auch, dass bei 60 Prozent der armen Bevölkerung in Senegal eine verbesserte Versorgung mit Eisen und Vitamin A erreicht wurde, was verdeutlicht, dass Anreicherungsprogramme sogar bei den Schwächsten ankommen können.

Diese bemerkenswerten Ergebnisse unterstreichen den gesundheitlichen Nutzen der Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Mikronährstoffen.

Was kommt als Nächstes?

Nahrungsanreicherung ist sicherlich nicht die einzige Lösung – auch eine abwechslungsreiche Ernährung und die Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit von nahrhaften Lebensmitteln bleiben im Kampf gegen die Mangelernährung entscheidend. Aber sie ist doch ein wirksames Instrument, damit Schulkinder besser lernen, Mütter gesündere Schwangerschaften durchleben und Mangelkrankheiten vermieden werden können.

Jetzt gilt es, solche Resultate flächendeckend zu erzielen, weil sonst immer wieder Menschen benachteiligt bleiben. In dem Masse, in dem die Weltbevölkerung wächst und zu Recht eine gerechte Entwicklung fordert, muss sichergestellt werden, dass die ärmsten und am stärksten benachteiligten Menschen nahrhafte Lebensmittel zur Verfügung haben.

www.fao.org

Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss einiger der bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftler der Welt, die anhand von harten Fakten aufzeigen, wie Regierungen und Philanthropen ihr Geld am besten einsetzen können. www.copenhagenconsensus.com

USI gilt dann als erfolgt, wenn ausreichend jodiertes Salz in mehr als 90 Prozent der Haushalte eines Landes vorhanden ist.

www.ethlife.ethz.ch

Greg Garrett

Director of Large-scale food fortification GAIN

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