Wertschöpfungsketten verstehen, um zu handeln
Grégoire Vorpe, Brise-Glace, 2025, Lausanne (Vaud, Suisse) © Grégoire Vorpe
Das globale Lebensmittelsystem hat bemerkenswerte Fortschritte ermöglicht. Noch nie hat die Menschheit so viele Lebensmittel produziert oder über so viel wissenschaftliches Wissen, technische Kapazitäten und logistische Mittel verfügt, um eine derart grosse Bevölkerung zu ernähren. Doch diese Errungenschaften gehen mit erheblichen Herausforderungen einher. Bodendegradation, Verlust an Biodiversität, Treibhausgasemissionen, Verschmutzung, Lebensmittelverschwendung, Einkommensungleichheiten und Probleme der öffentlichen Gesundheit machen deutlich, dass Lebensmittelpreise nicht immer das gesamte Ausmass ihrer tatsächlichen Kosten widerspiegeln.
Die Betrachtung der Wertschöpfungsketten zeigt, dass keine Stufe isoliert handelt. Entscheidungen über Betriebsmittel, Produktion, Agrarrohstoffhandel, Verarbeitung, Vertrieb und Konsum wirken sich auf das gesamte System aus. Wer diese wechselseitigen Abhängigkeiten versteht, kann die einfache Gegenüberstellung von individueller und kollektiver Verantwortung überwinden: Beide Perspektiven sind notwendig.
Die in dieser Installation zusammengefassten Forschungen zeigen ebenfalls, dass keine einzelne Lösung der Komplexität der Herausforderungen im Lebensmittelsystem gerecht werden kann. Technische Innovationen, neue Formen der Steuerung, veränderte landwirtschaftliche Praktiken, weniger Verluste und Verschwendung, grössere Transparenz der Lieferketten, veränderte Konsumgewohnheiten und eine bessere Berücksichtigung versteckter Kosten sind komplementäre Hebel.
Die Zukunft ist daher nicht vollständig vorbestimmt. Wissenschaftliche Erkenntnisse liegen seit vielen Jahren vor, immer mehr Versuche werden durchgeführt und zahlreiche Initiativen sind bereits im Gang. Die Frage bleibt offen: Wie können wir Lebensmittel so produzieren, austauschen und konsumieren, dass sie dauerhaft zum menschlichen Wohlergehen beitragen und zugleich die ökologischen Grenzen des Planeten respektieren? Die Antworten werden von kollektiven Entscheidungen abhängen, aber auch von der Fähigkeit jedes Menschen, die Folgen der eigenen Entscheidungen zu verstehen und sich an den laufenden Veränderungen zu beteiligen.