Wann wird ein Lebensmittel zum Produkt?
Die Konservierung: Lagerung und Verarbeitung
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Lagerung und Verarbeitung
Lagerung leitet sich von Lager ab, ursprünglich einem Ort, an dem etwas liegt oder aufbewahrt wird. Verarbeitung setzt sich aus der Vorsilbe ver-, die eine Veränderung bezeichnet, und Arbeit zusammen. Im Lebensmittelsystem umfasst der Ausdruck alle Vorgänge, mit denen Agrarerzeugnisse aufbewahrt, konserviert, behandelt oder physikalisch, chemisch beziehungsweise biologisch verändert werden, damit sie sicher, stabil und für Vertrieb und Konsum geeignet bleiben.
Die Wertschöpfung der Lagerung liegt in der Beherrschung der Zeit. Die Konservierung von Ernten stabilisiert das Angebot, verringert Nachernteverluste und ermöglicht den Verkauf zum wirtschaftlich günstigsten Zeitpunkt. Silos, Kühlhäuser und Lager mit kontrollierter Atmosphäre verwandeln saisonale Erzeugung in eine längerfristige, kontinuierliche Verfügbarkeit und erhöhen dadurch ihren wirtschaftlichen Wert.
Die industrielle Verarbeitung schafft zusätzlichen Wert, indem sie die physikalischen, chemischen und sensorischen Eigenschaften von Rohstoffen verändert. Mahlen, Kochen, Gären und Rezepturentwicklung erweitern das Produktangebot, verlängern die Haltbarkeit und passen Lebensmittel an die Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten an. Wert entsteht auch durch die Trennung von Bestandteilen – Proteinen, Ölen und Stärken – und ihre Neukombination zu Produkten mit höheren Gewinnmargen. Dieser Schritt macht einen erheblichen Anteil des endgültigen Geldwerts aus.
Parmesan-Reife, Molkereigenossenschaft„4 Madonne Caseificio dell’Emilia“ in Modena, Modène (Italie), 18.02.2016 © REUTERS / Alessandro Bianchi
Die versteckten Kosten von Lagerung und Verarbeitung
Lagerung und Verarbeitung benötigen Energie, gekühlte Infrastrukturen und Verpackungen und verursachen dadurch Emissionen, Abfälle und Lebensmittelverluste. Verluste und Verschwendung entlang der gesamten Kette machen einen beträchtlichen Anteil ihrer gesamten Umweltbelastung aus.
Wenn hochverarbeitete Lebensmittel einen grossen Teil der Ernährung ausmachen, sind sie mit erheblichen Gesundheitskosten verbunden, darunter chronische und Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs sowie eine zunehmende Abhängigkeit von standardisierten Produkten. Auf regionaler Ebene trägt die industrielle Konzentration zum Verschwinden lokaler Kompetenzen bei und verringert die in den Regionen verteilte Wertschöpfung. Skaleneffekte verdecken somit zeitlich verzögerte kollektive Kosten.
Konservieren, verarbeiten … und manchmal verlieren
Lagerung und Verarbeitung ermöglichen es, Lebensmittel länger aufzubewahren, ihre Sicherheit zu erhöhen und neue Produkte herzustellen. Doch auch auf dieser Stufe entstehen Verluste. Ungeeignete Lagerbedingungen, Feuchtigkeit, Schädlinge, Unterbrechungen der Kühlkette oder Kontaminationen können Lebensmittel ungeniessbar machen. Bei der Verarbeitung können Produktionsfehler, Maschinenausfälle, Produktrückrufe oder Verpackungsfehler dazu führen, dass ganze Chargen vernichtet werden. Schalen, Knochen, Fischgräten und Fruchtfleischreste werden zu Nebenprodukten, wenn sie verwertet werden; dennoch gehen weiterhin Ressourcen verloren. Wie lassen sich mehr dieser Rückstände zu neuen Rohstoffen statt zu Abfall umwandeln?
Beispiele für konkrete Lösungen
- Prämien für die Verringerung von Abfällen
Unternehmen finanziell belohnen, die messbare Ziele für die Verwertung von Nebenprodukten erreichen. - Nährwertbezogene Reformulierung belohnen
Steuervorteile oder eine grössere Sichtbarkeit für Produkte mit weniger Salz, Zucker und Fett gewähren. - Anreize für Energieeffizienz
Öffentliche Unterstützung für CO2-neutrale Industriestandorte bereitstellen. - Ethische Wahl: weniger verarbeitete Lebensmittel bevorzugen
Wer einfache, verantwortungsvoll hergestellte Lebensmittel wählt, belohnt Hersteller, die in Qualität statt in Ultraverarbeitung investieren.