Vom Familienkühlschrank zum globalen Ernährungssystem
Eine Koproduktion von Images Vevey und dem Alimentarium.
Ice Box © Tokuko Ushioda, courtesy the artist / PGI
Ein Kühlschrank mag im Vergleich zum globalen Ernährungssystem klein erscheinen. Dennoch bietet er einen seiner intimsten Einblicke. Zwischen 1981 und 1995 öffnete die japanische Fotografin Tokuko Ushioda die Kühlschränke von sechzig Haushalten in Tokio. Sorgfältig geordnete Lebensmittel, Essensreste, Verpackungen oder Kinderzeichnungen erzählen von Geschmäckern, Gewohnheiten und den Beziehungen der Menschen, die unter einem Dach zusammenleben. So wird jeder Kühlschrank zu einem Familienporträt und zum Zeugnis seiner Zeit.
Die Installation ICE BOX, eine Koproduktion von Images Vevey und dem Alimentarium, schafft einen Parcours zwischen dem Quai Perdonnet und dem Museum. Sie verbindet den häuslichen Raum mit den großen Fragestellungen der Ausstellung «SYSTEMA ALIMENTARIUM. Auf dem Weg zu einer grossen Ernährungsrevolution?». Denn hinter dem Inhalt eines Kühlschranks verbirgt sich ein ganzes System: was wir essen, wie Lebensmittel produziert, verarbeitet, gelagert und verteilt werden, aber auch das, was wir teilen, vergessen oder wegwerfen.
Die Ausstellung im Alimentarium setzt diese Untersuchung auf einer anderen Ebene fort. Rund fünfzig Fotografien von Mitgliedern der Agentur Magnum Photos, darunter Paolo Pellegrin, Newsha Tavakolian und Jonas Bendiksen, dokumentieren die menschlichen Realitäten entlang des Weges der Lebensmittel vom Feld bis auf den Teller. Dazu gehört unter anderem Pat Gormans Pie Factory, Bloxwich, Walsall, England, Vereinigtes Königreich, 2011 von Martin Parr, das einen Moment der Lebensmittelverarbeitung festhält. Im Eingangsbereich lässt die monumentale Fotografie Untitled #1, The Prophecy von Fabrice Monteiro eine warnende Gestalt mitten auf einer Mülldeponie erscheinen und macht die verborgene Seite unseres Konsums sichtbar.
Der Rundgang setzt sich im WØFF, dem Café des Alimentarium, fort. Dort hinterfragt eine Serie fotografischer Stillleben unser Verhältnis zu Zeit, Lebensmitteln und Konsum. Zu sehen sind unter anderem die Kompositionen Cornichon von Louise Te Poele und Mc Do von Joachim Lapôtre, die neben einem Sidewalk Still von Charles Nègre präsentiert werden.
Wie die Kühlschrankfotografien von Tokuko Ushioda offenbaren auch diese Bilder den intimen Blick der Fotograf:innen auf einen vertrauten Bestandteil unseres Alltags: Lebensmittel.
Vom Familienkühlschrank bis zum globalen Ernährungssystem laden uns diese Fotografien dazu ein, einen alltäglichen Vorgang neu zu betrachten: eine Tür zu öffnen und zu entscheiden, was wir essen werden.