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Intensive Landwirtschaft

Um den wachsenden Nahrungsmittelbedarf zu decken, erhöhte die Landwirtschaft mit industriellen Methoden die Produktion durch Ertragssteigerung pro Arbeitsstunde und Hektar. Dazu verbesserte sie die Ausnutzung der Böden, Pflanzen und Tiere mittels technischer und wissenschaftlicher Innovationen: Pflanzenschutzmittel, Sortenauswahl oder Gentechnik.
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© Getty Images / JamesBrey - Intensive Landwirtschaft

Rentabel und produktiv, aber mit Wirkung auf Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit

Um 1900 trieben in westlichen Ländern kleine und mittelgrosse Betriebe Landwirtschaft hauptsächlich als Mischkultur mit Zugtieren. Nach 1950. wurden sie von grossen spezialisierten Handels- und Produktionsbetrieben abgelöst, die auf weiten Anbauflächen leistungsfähige Landmaschinen, synthetische Dünger und Pestizide einsetzten. Dieser Systemwechsel resultierte aus dem politischen Willen zur landwirtschaftlichen Ertragssteigerung, um den wachsenden Nahrungsmittelbedarf zu decken. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten die meisten Industriestaaten intensive Landwirtschaft ein, die technische und wissenschaftliche Fortschritte in der mechanischen und chemischen Industrie sowie in der Genetik nutzte. Die Strategie zielte darauf, den Produktabsatz zu fördern, günstige und stabile Preise zu gewährleisten, den Erwerb neuer Produktionsmittel zu unterstützen (Kreditsysteme mit niedrigem Zinssatz, Subventionen) und unwirtschaftliche Betriebe zum Aufgeben zu bewegen. Motorisierte Traktoren ersetzten in der Zwischenkriegszeit die Zugtiere; ab den 1950er Jahren wurde die Leistungsfähigkeit der Maschinen weiterentwickelt (Ladewagen, Düngerstreuer, rotierende Egge). Diese Innovationen erleichterten die schwere Landarbeit, begünstigten grossangelegten Anbau und begrenzten den Arbeitseinsatz. Pflanzenzucht und Sortenauswahl, bereits seit langem praktiziert, wurden mithilfe von Gentechnik intensiviert und rationalisiert. Neue, leistungsfähigere und widerstandsfähigere Sorten entstanden, die sich verschiedenen physischen oder biologischen Milieus anpassen können.

Im 19. Jh. wurden chemische als Ausgleich für fehlende organische Dünger zur Fruchtbarmachung des Bodens erfunden. Ab den 1950er Jahren wurden sie eingesetzt, um Erträge zu steigern. Zudem halfen Pestizide (Herbizide, Insektizide, Fungizide) den Landwirten bei Unkrautvernichtung, Insektenbekämpfung und Pflanzenschutz. Diese Veränderungen erhöhten die Leistung von Böden, Pflanzen und Tieren sowie Stunden- und Flächenertrag. Die Produktivitätsoptimierung hatte allerdings unbeabsichtigte Folgen für Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit. Intensive Landwirtschaft verstärkt wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten, da sie nur fortschrittliche Betriebe und Regionen unterstützt, während solche mit ungünstiger Lage, wenig Kapital und Ertrag keine Subventionen für Investitionen und Weiterentwicklung erhalten, sodass sie aufgeben müssen. Grossflächiger, übermässiger Einsatz von Düngern, Pflanzen- und Tierschutzmitteln sowie schweren Maschinen führt langfristig zu Umweltproblemen wie Versteppung, Wasserverschmutzung, Verminderung der Artenvielfalt, Bodenverdichtung, Zerstörung von Lebensräumen. Gesundheitlich gesehen kann langfristiger Kontakt mit synthetischen oder nicht-synthetischen Pestiziden das Risiko von Krebs, neurologischen Krankheiten und Fortpflanzungsproblemen erhöhen.

Das Wissen um solche Auswirkungen im ökologischen Bereich, verbunden mit dem weiterhin grossen Bedarf an ausreichendem Ertrag, fördert die Suche nach neuen Lösungen. Sie sollen hohe Produktivität garantieren, den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln reduzieren sowie die Entwicklung von effizienterem, zugleich weniger belastendem Pflanzenschutz ermöglichen. Lösungen aus der Gentechnik, die bereits entwickelt und auf dem Markt sind, rufen scharfe Gegnerschaft auf den Plan. Sie hält die Risiken genetisch veränderter Organismen (GVO) in der Nahrungsproduktion für zu wenig erforscht.