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Über uns
Alles neu im Alimentarium!
Ein neues Konzept für das Alimentarium
07
Juni
2016
Annabelle Peringer
Das 1985 gegründete Museum erfindet sich ein weiteres Mal komplett neu und bietet nun Informationen und Aktivitäten in Vevey, über das Internet jedoch auch weltweit an.
©Lukas Wanner

Ein konzipiertes Museum, moderne Ausstellungsräume, Workshops unter Anleitung von Profiköchen sowie pädagogische Aktivitäten für Kinder und Jugendliche: Das Alimentarium bietet Gelegenheit, alle Facetten von Nahrung und Ernährung zu erkunden. Das 1985 gegründete Museum, das der menschlichen Ernährung auf der ganzen Welt und über die Jahrhunderte auf der Spur ist, entwickelt sich ständig weiter, um auch weiterhin als Museumspionier führend in der Vermittlung der Inhalte zu bleiben. Heute bietet es seine Aktivitäten und Kompetenzen sowohl in den Räumlichkeiten in Vevey als auch auf einem Online-Portal an - das Alimentarium zum Mitnehmen!

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Interview

Direktorin Ursula Zeller, die seit 2014 an der Spitze der Einrichtung steht, gewährt einen ersten Einblick in das neue Museumserlebnis.
 

Das Museum erlebt seine zweite bedeutende Neukonzeption seit 1985. Was waren die Gründe dafür?
 

„Museen müssen sich weiterentwickeln, weil sie sonst für Besucher nicht mehr interessant sind. Spätestens nach 10 Jahren sollte eine Dauerausstellung neu formuliert werden. Der Zeitpunkt für das Alimentarium war günstig, als der Beschluss gefasst wurde, künftig nicht mehr nur ein lokal an Vevey gebundenes Museum zu unterhalten, sondern das Alimentarium sieben Tage die Woche je 24 Stunden im Internet zugänglich zu machen. In Vevey können wir uns räumlich nicht erweitern, aber wir können stattdessen das Museum virtuell entgrenzen. Die Idee ist: Wo auch immer Sie hingehen und sich befinden – das Alimentarium begleitet Sie. So wird unser Angebot an Informationen für alle Menschen überall auf der Welt erreichbar und interessant.“

 

Können Sie uns die Leitlinien der neuen Dauerausstellung des Alimentarium vorstellen?
 

„Die neue Dauerausstellung Essen – Die Essenz des Lebens stellt das Individuum in den Mittelpunkt und schafft so einen direkten, individuellen Einstieg des Besuchers in die Materie. Kein Thema ist so nah am Menschen wie die Ernährung – sie betrifft jedes einzelne Lebewesen und fast jeden seiner Lebensbereiche: kulturell, physiologisch, sozial, ökotrophologisch, wirtschaftlich, medizinisch. Die Dauerausstellung beantwortet zentrale Fragen wie „Was esse ich“, „Wie esse ich“ und „Warum esse ich“. Damit kommen wir automatisch zur Frage der Nahrungsmittel, der Gesellschaft, der Körperfunktionen und ihrer Interdependenz mit der Ernährung.“

Das Museum ist jetzt auch auf die Ernährung ausgerichtet. Können Sie uns mehr darüber sagen?

 

„Das künftige Hauptthema des Alimentarium wird Nahrung und Ernährung der global lebenden Menschheit in Geschichte und Gegenwart sein. Innerhalb seiner Themenfelder wird das Museum den Schwerpunkt auf Gegenwartsprobleme und offene Zukunftsfragen legen. Keine Zukunftsprojektion kann die Zwänge künftiger Nahrungsversorgung und deren Kausalzusammenhang mit der Umwelt auslassen. Aber für den Besucher geht es nicht nur darum, dass und was gegessen wird, sondern auch um das Wie und um Wirkungen. Die (Kultur-)Geschichte der Nahrungsproduktion, des Kochens und der Ernährung sowie die überkommenen Objekte zu dieser Materie dienen dabei als Referenzen für unser heutiges und ein mögliches zukünftiges Themenverständnis. Der Besucher erfährt, dass Antworten zur Ernährung zeit-, orts- und kulturabhängig sind. Er lernt zu verstehen, dass es objektivierbare Vorgänge bei der Produktion, bei der Verarbeitung und Vermarktung von Nahrungsmitteln, aber vor allem auch bei deren Aufnahme durch den Körper gibt. Er wird zudem sich bewusst werden, dass es keine allgemeingültigen Wahrheiten zur Ernährung gibt. Jede Zeit, jede Kultur und jedes Land setzt andere Prioritäten - abhängig vom Wissensstand, aber auch von Traditionen, religiösen Vorstellungen oder verfügbaren Ressourcen.“

Mit einem vielfältigen Academy-Programm, das sowohl im Museum als auch online in Form von MOOC‘s für Schüler und Lehrer verfügbar ist, steht die Pädagogik im Mittelpunkt. Warum stärken Sie diese Ausrichtung in Ihren Aktivitäten?

„Kinder und Jugendliche stellen eine der wichtigsten Zielgruppen des Alimentarium dar. Unsere stark nachgefragten Programme für Schulen bezeichnen ein Alleinstellungmerkmal des Museums, auf das wir stolz sein können. Deshalb lag es nahe, neue Programme für diese Gruppe zu entwickeln. Viele ernährungsabhängige gesundheitliche Herausforderungen – wie Fettsucht, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen – korrelieren mit bestimmtem Essverhalten. Und wenn wir dieses Verhalten positiv beeinflussen wollen, dann sollten wir bei den Kindern anfangen. Deshalb haben wir intensiv in unser Academy-Programm investiert, das zum ersten Mal nicht nur die Schüler, sondern zugleich Lehrer und Eltern mit einbezieht. Das Kind allein schafft es nicht, sein Verhalten zu ändern – dazu gehören das Umfeld, die Schule, die Familie. Beiden wollen wir leicht zugängliche Informationen zur Verfügung stellen. Der immer eingebaute Spassfaktor soll ihre lebenspraktische Umsetzung positiv und lustvoll motivieren.“

Das Alimentarium bietet Animationen und Workshops für Klein und Gross. Welche Aktivität sollte man nicht verpassen?

„Man sollte keine dieser Aktivitäten verpassen! Unser Meisterkoch Philippe Ligron und sein Team haben besondere Themen ausgewählt. Namentlich für Kinder interessant ist ein Workshop, der sie für ungewohnte Nahrungsmittel aufschliesst – Unbekanntes bereitet ja oft Probleme. Dann bieten wir Workshops, die einen Kochkurs mit dem Garten verbinden – vom Garten direkt in den Topf – das kann man nur im Alimentarium mit seinem eigenen Gemüse- und Kräutergarten erleben.“

Bewirtung im Garten während des Sommers, Lounge-Bereich, didaktischer Gemüsegarten ....will das Alimentarium auch ein Entspannungs- und Wohlfühlbereich sein?

„Ja selbstverständlich – wir erhoffen uns, dass der Besucher Informationen aufnimmt und nach dem Besuch mehr weiss als vorher – aber in erster Linie soll er sich wohlfühlen und vielfältig anregen lassen. Vielleicht kommt ja ein Feinschmecker auch nur zu uns, um in unserem Restaurant ungewöhnlich gut zu speisen oder sich an der Aussicht auf See und Berge zu erfreuen. Aber selbst dann wird er – über das Essen, den Garten, die angenehme Atmosphäre - sensibler werden für die komplexen Fragen und Antworten zu Essen und Ernährung.“

Eine kolossale Gabel, die für das 10jährige Jubiläum des Alimentarium geschaffen wurde, ragt heute vor Ihrem Haus in Vevey aus dem See. Woran soll sie erinnern?

„Die Gabel ist ein wirkliches Landmark und steht ja nicht nur für die Region, für Vevey, sondern zuvörderst für das Alimentarium. Die Gabel war nicht das erste Instrument, das Menschen beim Essen gebrauchten, aber sie steht als Zeichen für zivilisatorisch sich entwickelnde Tischsitten. Für mich ist sie eine Art Ausrufezeichen vor dem Alimentarium. Es signalisiert, dass hier ein besonderer Ort ist, der mit Essen und Ernährung in Verbindung steht.“

Was sind Ihrer Meinung nach die grossen Herausforderungen im Bereich der Ernährung für die nächsten zehn Jahre?

„Die grosse Herausforderung wird sein, alle Menschen auf der Erde auskömmlich zu ernähren – wie es die Expo in Mailand im vergangenen Jahr zum zentralen Thema gemacht hat. Noch immer sind die Nahrungsressourcen ungleich verteilt, und viele Menschen haben keinen Zugriff auf Nahrung und Wasser. Anderseits sehen wir aber in vielen Ländern, was einseitige und überreichliche Ernährung an Auswirkungen bis hin zu Krankheit und Tod zur Folge hat. Diese doppelte Herausforderung, dieses Paradox müssen wir durch Aufklärung angehen.“

Ein Teil des Bereichs Gesellschaft ruft Kindheitserinnerungen zum Thema Ernährung wach. Was ist dazu Ihre ganz persönliche Erinnerung?

 

„Meine persönliche Erinnerung ist intensiv mit der Kochkunst meiner Mutter verbunden. Sie hat jeden Tag für ihre vielköpfige Familie gekocht, und ein gutes Essen hat manchen Stress und manche Auseinandersetzung mit Mitschülern, Geschwistern usw. ausgeglichen. Nach dem Essen war alles friedlich. Menschen, die ausreichend und gut versorgt sind, vergessen ihre Konflikte!“

Annabelle Peringer
Neuchâtel, Switzerland

Annabelle Peringer ist Archeologin und Historikerin der Antike. Seit 2008 hat sie mit mehreren Medien und Schweizer Unternehmen, darunter 24 heures, Loisirs.ch und Coopération, als Redakteurin und Spezialistin der digitalen Kommunikation zusammengearbeitet. Von 2014 bis 2017 war sie Chefredakteurin des Alimentarium Magazins.

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