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Gerichte aus aller Welt
Mediterrane Kost – einfach und gesund für alle
20
Januar
2015
Elisabetta Moro
Mediterrane Diät - auf Griechisch "diaita" (Diät) - bezeichnet eigentlich eine Lebenskunst. Nachdem im 20. Jahrhundert die gesundheitsfördernde Wirkung dieser ländlichen Arbeiterkost entdeckt wurde, fanden auch wohlhabende Menschen Gefallen an ihr.
©Shutterstock

Die mediterrane Diät – auf Italienisch dieta mediterranea – kam vor sechzig Jahren in Italien auf. Im Altgriechischen bedeutet das Wort diaita nicht nur Lebenskunst, sondern auch Haus, Schiffskabine und Forschung. Es impliziert also, dass unsere Essensgewohnheiten im Grunde die Art und Weise widerspiegeln, wie wir unser Leben auf diesem Planeten gestalten.


 

Brot, Wein und Öl – Geschenke der Götter

In erster Linie ist mediterrane Diät ein Geschenk der Götter – so die Vorstellung der Völker der Antike im Mittelmeerraum, also jenes geografischen Raumes, der von den Säulen des Herkules (den Felsenbergen an der Strasse von Gibraltar) eingefasst wird. In der griechischen Mythologie ist der Olivenbaum ein Geschenk der Athene, der helläugigen Jungfrau, Schutzpatronin der Kunst. Getreide ist ein Geschenk der Demeter, der personifizierten Mutter Erde, die bei den Griechen mit einer Weizengarbe dargestellt wird. Die Rebe schliesslich wurde von Dionysos, dem Rastlosen, aus Asien mitgebracht. Dieser gottgleiche junge Mann mit einer Krone aus Weinranken auf dem Kopf trank Wein, um besser in die Zukunft blicken zu können.


 

Das Pionierpaar

Diese mediterrane Triade aus Öl, Brot und Wein bildet seit Jahrtausenden die Grundlage der Ernährung der Menschen in diesem Teil der Welt. Bis zum letzten Jahrhundert hätte niemand daran gedacht, dies als «mediterrane Diät» zu bezeichnen. Die ersten, die diesen Namen benutzten, waren der Physiologe Ancel Keys, Professor an der Universität von Minnesota und Erfinder der K-Ration (1944), der täglichen Essensration der US-amerikanischen Soldaten, und seine Frau, Margaret Haney Keys, Biologin an der Mayo Klinik. Diese beiden Pioniere sollten das medizinische Wissen im Bereich der Ernährung revolutionieren. 1951 nahm das Paar an einem Kongress der Welternährungsorganisation (FAO) in Italien teil. Dort stellten sie mit Überraschung fest, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen unter Neapolitanern selten sind, während die Hälfte der amerikanischen Männer zwischen 39 und 59 Jahren an dieser Krankheit leidet. Erklären konnte man sich das nicht.


 

Gesunde neapolitanische Arbeiter

Ancel und Margaret Keys machten sich unverzüglich an die Arbeit. Sie wollten dieses wissenschaftliche Rätsel vor Ort lösen und führten eine Erhebung unter neapolitanischen Arbeitern durch. Die klinischen Analysen zeigten schnell, dass der Cholesterinspiegel der Arbeiter bedeutend niedriger war als jener der amerikanischen Manager. Die beiden Wissenschaftler fanden schliesslich heraus, dass es eine Verbindung zwischen Cholesterinspiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt. Sie ahnten, dass dieser Zusammenhang seinen Ursprung in der Ernährung haben könnte und vermuteten, dass sich in diesem Fall arme Menschen gesünder ernähren als reiche!

Die Eheleute Keys fanden heraus, dass die Arbeiter vor allem Gemüse, Obst, Brot, Nudeln, Olivenöl und Wein zu sich nahmen. Fleisch und tierische Fette gab es nur selten. Also das genaue Gegenteil der so genannten westlichen Kost.


 

Das Gegenmittel zu einer westlichen Ernährung im Übermass

Nachdem eine Reihe internationaler Untersuchungen in Mittelmeerländern die Hypothese der Eheleute Keys bestätigte, gewann die Mittelmeerdiät an Renommee. In dieser Zeit intensiver Forschungsarbeit, in der auch die Ernährungspyramide der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde, profilierte sich die Mittelmeerkost als natürliches Gegenmittel zur Ernährung der am Überfluss leidenden westlichen Bevölkerung.


 

Einfachheit als oberstes Gebot

1959 schrieben Ancel und Margaret Keys das Buch Eat well and stay well, das zur Bibel für ein neues Ernährungsbewusstsein werden sollte. Zentrale Botschaft: Einfachheit beim Essen. Sie setzten ihre Worte in die Tat um und liessen sich 1963 in der antiken Stadt Elea, der Heimat der Philosophen Parmenides und Zenon, nieder. Hier im südlich von Neapel gelegenen Cilento mischten sich die beiden Wissenschaftler unter die Fischer und Bauern am Mare Nostrum («unser Mittelmeer»), um hinter das Geheimnis ihres bemerkenswert langen Lebens zu kommen. Und das mit Erfolg. Sie lebten 35 Jahre lang wie die Menschen in dieser Gegend und verlängerten so ihre Lebenserwartung um ca. 20 Jahre: Ancel starb 2004 im Alter von 100 Jahren, seine Frau folgte ihm zwei Jahre später im Alter von 97.


 

Elisabetta Moro

Anthropologin

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