Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.
Über uns
Forschung und Innovation
Kein Regenbogen ohne Blau
14
Mai
2014
Martin Michel
2007 mussten die künstlichen Farben durch natürliche ersetzt werden. Aber für das Blau gab es noch keinen natürlichen Farbstoff. Die Kinder protestierten. Eine spezielle Algenart brachte den Durchbruch.
©Andreas Kohli

Der industriellen Nahrungsmittelherstellung kann man viel vorwerfen. Aber nicht, dass sie nicht ständig versuchte, ihre Lebensmittel akribisch zu optimieren. Die Farbenpalette der Smarties etwa, die nicht nur jedes Kind kennt, hatte lange einen kleinen Schönheitsfehler: Der farbige Überzug der Schokolinsen war aus künstlichen Zusatzstoffen hergestellt.

Die pinken, violetten, grünen, gelben, orangen, roten, hell- und dunkelbraunen Smarties gibt es seit 1937. Ursprünglich waren sie nur in England erhältlich, später dann auch in anderen europäischen Ländern. Die blau eingefärbten Smarties wurden erst 1988 eingeführt. Ursprünglich sollten sie als limited edition nur vorübergehend erhältlich sein, doch sie wurden so populär, dass sie schliesslich dauerhaft die anderen Farben in der Smarties-Rolle ergänzten. Seither gibt es Menschen, die finden, dass gewisse Farben besser oder anders schmecken als andere. Kinder, die mit den bunten Smarties ihre ersten mathematischen Gleichungen lösen. Und eine Fan-Gemeinde, die damit aufwändige Smarties-Mosaike zusammensetzt.

Das Blau wird zur Herausforderung

Im Jahre 2007 mutmasste eine Studie, künstliche Farbstoffe würden bei Kindern zu Hyperaktivität führen. Unabhängig davon, wie wissenschaftlich fundiert die Studie war oder nicht – für Nestlé war es bereits vor dieser Studie klar, dass die künstlichen Farben durch natürliche ersetzt werden müssten, zumal damals Hyperaktivitätsstörungen bei Kindern zur Modediagnose schlechthin wurden.

Fehlende blaue Smarties

Da für die künstliche blaue Farbe kein natürlicher Ersatz zur Verfügung stand, gab es fast zwei Jahre lang keine blauen Smarties in der Packung. So harsch das Urteil der Studie ausfiel, so treu waren die Smarties-Fans: Schnell bemerkten die Kinder (und ihre Eltern), dass ihre Lieblingsfarbe Blau in der Packung fehlte. Es hagelte nicht nur Boykott-Aufrufe, sondern auch Reklamationen von enttäuschten Kunden, die sich mit einer Zwischenlösung ohne Blau nicht zufrieden geben wollten.

Die Suche nach dem natürlichen Blau

Die Smarties-Entwickler suchten intensiv nach einem natürlichen blauen Farbstoff. Sie fanden heraus, dass bei einer bestimmten blau-grünen Algenart blaue und gelbe Farbstoffe vorhanden sind. Dank eines speziellen Verfahrens konnte aus der Alge ein Blau gewonnen werden, das nun beim Färben der Smarties zum Einsatz kommt. Dieser natürlich hergestellte Farbstoff wird seither auch für die Einfärbung anderer Lebensmittel verwendet.

Das Comeback

Die blau eingefärbten Smarties feierten ihr Comeback im Jahr 2008. Natürlich wusste die Marketingabteilung von Nestlé diesen Coup in England und Kanada mit einer Blue is Back-Kampagne entsprechend zu vermarkten.

Martin Michel

Wissenschaftler

​Martin Michel begann seine berufliche Karriere 1993 als Biologe am Inselspital in Bern. Seit 1995 arbeitet er am Nestlé Research Center. Heute ist er Gruppenleiter am Nestlé Research Center und leitet die Gruppe «Micronutrient Fortification».

alimentarium magazine
Unser monatlicher Newsletter hält Sie auf dem Laufenden. Entdecken Sie als Erste die neuesten Artikel über Ernährung oder unsere spannenden und delikaten Videos. Entdecken, lernen, teilnehmen!
Jetzt abonnieren