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Biologisch abbaubare Verpackungen...
20
August
2018
Aude Reymond
Aude Reymond
Man würde gern glauben, dass alle Behälter mit „Bio“-Stempel auch zu Bio-Abfällen gehören. Falschinformation oder richtige Überlegung?
Die Farbe zeigt, dass der Sack recycelbar und biologisch abbaubar ist. Doch ist er auch kompostierbar?

Vom Gemüsebeutel bis zum Küchengeschirr dient Plastik heute den verschiedensten Zwecken. Leider finden sich Plastikprodukte oft auch in der Natur wieder. Als Folge absichtlichen oder versehentlichen Wegwerfens oder auch durch Verbreitung im Abwasser verschmutzen sie Meere, Gewässer und Böden. Weniger bekannt ist, dass auch Landwirtschaftsflächen mit Mikroplastik verunreinigt sind... über Kompost, mit dem Felder gedüngt werden.

Dieses Kleinplastik, nicht grösser als 5 mm Durchmesser, befindet sich im Kompost und stammt meist von Lebensmittelverpackungen oder Objekten aus biologisch abbaubarem Material, auch „Bioplastik“ genannt. Pflanzliche Müllsäcke, Blumentöpfe, Spielsachen und Küchenutensilien – das Angebot an „Bio“-Behältern hat sich mit der flächendeckenden Sammlung von Bioabfällen und der Abgabe auf Plastiktüten in mehreren Schweizer Kantonen zuletzt stark ausgeweitet. Jedoch meint der Vermerk „Bio“ nicht unbedingt „biologisch abbaubar“ und folglich nicht notwendigerweise, dass sie mit pflanzlichen Abfällen weggeworfen werden dürfen.

Denn die Bezeichnung Bioplastik bezieht sich einerseits auf die eingesetzten erneuerbaren Rohstoffe wie Mais oder Zuckerrüben. Sie können den Vermerk „aus erneuerbaren Ressourcen“ oder „biologische Herkunft“ tragen, doch auch Materialien enthalten, die nicht in jedem Fall biologisch abbaubar sind.

Andererseits verweist Bioplastik auf Abbaubarkeit. Mit der Zusatzbezeichnung „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“ versehen, können Mikroorganismen sie abbauen, d.h. in Wasser, Kohlendioxid und Biomasse zersetzen, ob sie aus erneuerbaren (Zellulose, Zuckerrohrfasern, Palmblättern, pflanzliche Stärke usw.) oder aus nicht erneuerbaren, also fossilen Stoffen besteht.

Leider ist der Markt von sogenannten oxo-abbaubaren Kunststoffen1 überschwemmt. Sie erscheinen wie die anderen Kunststoffe, zerfallen jedoch in winzige Partikel, die sich biologisch nur schwer abbauen lassen. Zu dieser komplizierten Lage kommen noch die Recycling-Plastiktüten aus den Supermärkten, die entgegen landläufiger Meinung nicht kompostierbar sind.

Neben solchen Verwechslungen werden die Begriffe „biologisch abbaubar“ und „kompostierbar“ häufig vermengt. Ein kompostierbares Produkt ist zwar auch biologisch abbaubar, ein biologisch abbaubares Produkt jedoch nicht zwangsläufig kompostierbar. Denn der Sammelbegriff „biologisch abbaubar“ bedeutet, dass ein Produkt sich unter Einfluss von Mikroorganismen zersetzen wird. Während „kompostierbar“ präzisiert, dass ein Produkt sich unter Kompost-Bedingungen zersetzt, d.h. mit Sauerstoff, Feuchtigkeit und bestimmten Temperaturen (60°C für Kompostieranlagen).

Um die Lage zu klären, hat die Branche z.B. beschlossen, kompostierbare Plastikbeutel mit einem Rautenmuster-Aufdruck zu kennzeichnen. Sie sind entweder für die Kompostcontainer der Müllverwerter oder für private Komposte bestimmt und können mittels der aufgedruckten Label bestimmt werden: „OK compost“ bestätigt die Abbaubarkeit der Produkte in industriellen Kompostieranlagen, während das Label „OK compost home“ für ihre Abbaubarkeit im Gartenkompost steht, die bei geringerer Temperatur als in industriellen Kompostieranlagen langsamer und schwieriger verläuft.

1. Kunststoffe heissen oxo-abbaubar, wenn sie aus Ethylen-Polymeren bestehen und mit Oxidantien (metallischen Salzen) angereichert sind, die ihre Zersetzung in kleinere Teile fördern.

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http://www.les-docus.com/et-si-nous-arretions-de-tout-jeter/

Aude Reymond
Aude Reymond
Aude Reymond studierte Politik- und Museumswissenschaft. Seit 2015 arbeitet sie im Alimentarium als Redakteurin sowie in den Bereichen Dokumentation und Informationsrecherche.

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