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Über uns
Home : Sonderausstellung
Ausstellung

#vegan

Mai bis Juni 2021
Vorführungen
Warum nicht mal Tofu?
Jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag ab 14:00 Uhr durchgehend bis 16:15 Uhr (Dauer: ca. 20 Minuten; nur auf Französisch).
Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
von 10:00 bis 18:00 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene 13.– CHF
Kinder von 6 bis 15 Jahren 4.– CHF
Kinder unter 6 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen
Ermässigter Eintrittspreis 11.– CHF
(Senioren, Studierende, Arbeitslose, etc.)
Lage und Anfahrt
Alimentarium
Quai Perdonnet 25
1800 Vevey
Das Alimentarium widmet seine neue Sonderausstellung dem Veganismus. Ernährung, Kochkunst, Ethik, Ökologie, aber auch Aktivismus und Pop – die vielfältigen Facetten dieser Konsumform, die sich in den letzten Jahren zum gesellschaftlichen Phänomen entwickelte, stehen im Blickpunkt.
Die Ausstellung #vegan begann mit Erfahrungsberichten von veganen und an Veganismus interessierten Internetnutzer*innen, die ab Dezember 2020 aufgerufen waren, ihre persönlichen Erfahrungen auf der partizipativen Plattform meinveganesleben.org zu teilen.
Neben der Ausstellung stehen Veranstaltungen, Kochworkshops, Vorträge und Gesprächsrunden zu diesem Thema auf dem Programm des Museums in Vevey.

Veganer*innen haben das Wort!
Um die persönlichen Motive hinter dieser Ernährung besser zu verstehen, liess das Alimentarium vegane und an Veganismus interessierte Internetnutzer*innen über die partizipative Plattform meinveganesleben.org zu Wort kommen.
Mehr als 120 Erfahrungsberichte gingen seit Anfang Dezember 2020 ein. In der Ausstellung werden sie in visueller Form (als Zitate an den Wänden) präsentiert.
Die Datenbank der Erfahrungsberichte wird in die wissenschaftliche Veganismus-Forschung von Edmée Ballif (SNF-Postdoc und Forscherin an der University of Cambridge & University of Kent) einfliessen.
Um die zeitgebundenen Zeugnisse dauerhaft zu bewahren, werden die Beiträge als immaterielles Kulturerbe in die Sammlung des Alimentarium aufgenommen.
DAUMEN RAUF oder RUNTER?
Noch vor Betreten der Ausstellung stehen die Besucher*innen vor einem Buzzer, der sie zur Stellungnahme aufruft: Vegan? Daumen rauf / Daumen runter?
Das Gerät spielt auf die Sofortentscheidungen an, die die sozialen Netzwerke täglich von uns verlangen. Doch es bleibt nicht bei der binär codierten Entscheidung: die Ausstellung stellt die ganze Komplexität des Themas vor und stellt auch vorgefasste Meinungen in Frage. Am Ende des Parcours erfahren die Besucher*innen die Ergebnisse der Buzzer-Befragung und können sehen, ob sich ihre Meinung durch die Ausstellung verändert hat.
VERWIRRENDES LABYRINTH
Nach dem Buzzer gelangen die Besucher*innen in ein Labyrinth mit zahlreichen Slogans, Forderungen und Meinungen, die uns täglich in den Medien begegnen.

Die bunte Mischung aus Bildern entführt sie zusammen mit Live-Feeds des #vegan aus den sozialen Netzwerken in den medialen Wirbel um den Veganismus.

VERTIEFUNGSINSELN

Danach entlässt das Alimentarium die Besucher*innen in vier durch verschiedene Inhalte geprägte Inseln als Zonen des Nachdenkens, in denen die verschiedenen Aspekte des Veganismus vertieft werden: Kochkunst, Gesundheit und Ernährung, Umwelt, Ethik, aber auch Aktivismus und Pop.

KARNISMUS x OMNIVORISMUS
In einer der Vertiefungszonen geht es um Karnismus, der in vielen Gesellschaften mehrheitsfähig und alltäglich ist.

Die Themen des Karnismus stehen wie im Spiegel den entsprechenden veganen Themen gegenüber und beleuchten so anti-vegane Stereotypen und Argumente, ohne einseitige Schlüsse oder voreilige Urteile nahezulegen. 

Den Fokus auf Karnismus und nicht auf Omnivorismus zu legen, ermöglicht der Ausstellung, die Mechanismen hinter den Motiven eines veganen Lebens herauszuarbeiten. Dadurch erweitern wir die Diskussion von der rein physiologischen in die soziokulturelle Ebene und hinterfragen, warum manche Menschen diese Haltung ablehnen. Wenn alle Menschen von Natur aus Allesesser sind, müssen sie es dann zwangsläufig bleiben?

VEGANISMUS x GESUNDHEIT x ERNÄHRUNG

Die Ausstellung thematisiert die ernährungsphysiologischen Aspekte von Veganismus im Vergleich zu vegetarischer, pesco- sowie ovo-lacto-vegetarischer Ernährung und der Standardkost des Allesessers. Wir stellen die verschiedenen Aspekte jeder dieser Ernährungsformen vor und vergleichen sie in Bildern und Grafiken mit den vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BVET) klar definierten Auflagen und Grenzen.

Eine breite Öffentlichkeit bringt vegane Ernährung oft mit Problemen im Zusammenhang mit tierischen Proteinen aus Fleisch (und, symbolisch gesehen, aus lebendem Fleisch) in Verbindung. Allerdings muss man sagen, dass mögliche Mangelerscheinungen durch einen nicht sorgfältig zusammengestellten Menüplan eher bei essentiellen Nährstoffen (Vitamin B, insbesondere B12, Eisen, Kalzium, Jod, essentielle Fettsäuren) als bei Proteinen vorkommen. Versorgungsprobleme mit Proteinen bei Erwachsenen sind in entwickelten Ländern recht gering. Das zeigen wir durch ein Spiel, das die Besucher*innen auffordert, ihre ‒ vegetarischen, veganen oder omnivoren ‒ Mahlzeiten für den Tag zusammenzustellen. Im Spiel sehen sie dann, welchen Anteil der erforderlichen Menge jedes essentiellen Nährstoffs sie erreicht haben.

VEGANISMUS x UMWELT x ETHIK
Auch wenn es nicht die Primärmotivation ist, wählen viele aus Sorge um die Umwelt eine vegane ‒ und auch flexitarische oder vegetarische ‒ Ernährungsform. Der Grund liegt im geringeren direkten oder indirekten, durch Tierzucht verursachten ökologischen Fussabdruck.

Die Ausstellung veranschaulicht die Auswirkungen dieser eingeschränkten Ernährung auf die Treibhausgasemissionen und den Wasserverbrauch. Dabei wird deutlich, dass sie Rohstoffe benötigt, deren Produktion und Transport gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen bis hin zum Import von nicht-lokalen Rohstoffen (Chiasamen, Cashewnüsse, Mandeln usw.) mit sich bringen. Damit verweisen wir auch darauf, dass trotz besserer Ökobilanz die Situation nicht so ideal ist, wie man annehmen könnte. Doch wie gesagt, der Umweltaspekt ist nicht das Hauptmotiv für Veganer*innen ‒ im Gegensatz zu Bio-Fans und Vegetarier*innen.

Dieser Ausstellungsteil spricht auch die Herausforderungen veganer Landwirtschaft an, die wegen des Einsatzes von mineralischem statt tierischem Dünger kein einfaches Unterfangen ist. Diese Art von Landwirtschaft ist hoch komplex und kann dazu führen, dass ethische und ökologische Motive kollidieren.

VEGANISMUS x KOCHKUNST

Schauen wir uns heute in Lebensmittelgeschäften um, entdecken wir einige neue Produkte mit exotischen Namen wie Vuna (veganer Thunfisch), Vacon (veganer Speck) und Seitan (Weizeneiweissnahrung). Warum wählen Veganer an Fleisch erinnernde Lebensmittel und essen wie andere Grillfleisch, Wraps oder Bolognesesosse?

Sprechen wir von Veganismus und Gaumenfreuden darf einer nicht fehlen: Rolf Hiltl, der eine der ersten veganen Metzgereien in Zürich gründete und die Familientradition mit seinen vegetarischen Restaurants fortsetzt. Das 1898 in Zürich gegründete HAUS HILTL gilt als das älteste vegetarische Restaurant der Welt.

Schliesslich zeigen die auf der partizipativen Plattform gesammelten Erfahrungsberichte, wie diese Ernährungsform in Familien Konflikte oder Stress hervorrufen und sogar alte Gewohnheiten infrage stellen kann. Macht Veganismus Schluss mit dem gemeinsamen Familienessen?

VEGANISMUS x AKTIVISMUS x POP-OBJEKTE
Veganismus bedeutet in gewisser Weise auch Kampf, was wir hier am Beispiel des Aktivismus für Tier- und Umweltschutz in Form direkter Aktionen oder kultureller Produktionen aus Musik, Literatur, Mode usw. zeigen.

Dadurch wird deutlich, dass sich in dieser sozialen Bewegung ganz unterschiedliche oder sogar gegensätzliche Stimmen vereinen. Beispielhaft ist der ikonische Song Meat Is Murder (1985) von The Smiths, den einige Veganer*innen als „entscheidendes Motiv für ihre Bekehrung“ nennen.

Aktionen auf der Strasse oder auf dem Teller, Gewalt-Aktionen, Punkmusik, Kleidung und Schuhe aus veganem Leder... Was wird diese Bewegung noch alles unternehmen?