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Startseite : Sonderausstellung : Beurk ! Yuck ! Igitt ! The food we love to hate
Ausstellung

Beurk ! Yuck ! Igitt ! The food we love to hate

Ab dem 20. Mai
Vorführungen
"Verkostungsbar der anderen Art"
Jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14:00 Uhr durchgehend bis 16:15 Uhr (Dauer: 20 Minuten; nur auf Französisch).
Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag
von 10:00 bis 18:00 Uhr

Eintrittspreise
Erwachsene 13.– CHF
Kinder von 6 bis 15 Jahren 4.– CHF
Kinder unter 6 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen
Ermässigter Eintrittspreis 11.– CHF
(Senioren, Studierende, Arbeitslose, etc.)
Lage und Anfahrt
Alimentarium
Quai Perdonnet 25
1800 Vevey
Ausgangspunkt der partizipativen Aussstellung Beurk! Yuck! Igitt! The food we love to hate sind Beiträge über ekelerregende Nahrungsmittel, die die Öffentlichkeit auf einer speziellen Plattform bereitgestellt hat. Das Museum präsentiert das reiche Material auf interaktive und unterhaltsame Weise gepaart mit Informationen und Analysen zu Nahrungsekel und dessen kultureller, religiöser, sozialer, historischer und wissenschaftlicher Dimension.

„Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist.“

„Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist.“ Schrieb 1825 der Feinschmecker Jean Anthelme Brillat-Savarin. Mit Beurk! Yuck! Igitt! The food we love to hate dreht das Alimentarium das Sprichwort um. Erstmals geht es in einer seiner Sonderausstellungen um ein durch Lebensmittel ausgelöstes Gefühl, den Nahrungsekel. Das Museum gibt Antworten auf die Aussage: „Sag mir, was du nicht isst, und ich sage dir, wer du bist“.

Um Nahrungsekel, der oft eine sehr persönliche Beziehung zum Essen offenbart, besser zu verstehen, wählt das Alimentarium einen partizipativen Ansatz, der den wissenschaftlichen Diskurs mit persönlichen Erfahrungen anreichert. Wer will, kann von Dezember 2019 bis Juni 2020 auf der eigens eingerichteten Plattform thefoodwelovetohate.org ihre/seine Geschichte mit ekelhaften Lebensmitteln oder all die "Igitts" der Kindheit mitteilen. Die Beiträge bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung. Sie finden sich auf einer interaktiven Karte des Ekels wieder, die im Zentrum der Sonderausstellungsräume im zweiten Stock des Museums gezeigt wird.

Man kann sich aber auch über interaktive Installationen mit vier Hauptthemen (Biologie, Ethik, Ästhetik und nachhaltige Entwicklung) sowie Animationen, die alle Sinne ansprechen, in die Geschichte des Geschmacks und der Geschmäcker vertiefen.

Physiologie des Ekels
Bevor er 2015 neben Gefühlen wie Freude, Wut, Trauer und Angst eine Hauptrolle in dem Animationsfilm "Alles steht Kopf" spielte, haben sich vor allem Wissenschaftler und Essayisten für Ekel interessiert. Auf Basis von Studien und wichtigen Werken zu Tafelfreuden von Brillat-Savarin über Darwin bis heute analysiert das Alimentarium, was im Gehirn geschieht, wenn wir uns ekeln.

Ein universeller Gesichtsausdruck

Unabhängig von der kulturellen Zugehörigkeit drückt jeder Mensch Ekel durch dieselbe charakteristische Gebärde aus: Er zieht Augenbrauen und Nase hoch, bläht die Nasenlöcher, verengt die Pupillen und streckt die Zunge heraus. Dass wir in vielen Situationen so reagieren, weist auf die menschliche Diversität hin, vor allem was Ernährung betrifft. Der Abwehrmechanismus, der ursprünglich dem Menschen beim Überleben half, weil er ihn am Verzehr giftiger Nahrung hinderte, ist Teil unserer durch Erziehung und Lebenserfahrung geprägten Identität. Das erklärt auch, warum die Angst vor dem Unbekannten bei Nahrungsekel so wichtig ist.

 

Wie misst man Nahrungsekel?

Die Ausstellung präsentiert auch die Food Disgust Scale, die Dr. Christina Hartmann und Prof. Dr. Michael Siegrist 2018 an der ETH Zürich entwickelten. Ziel ihrer Skala ist, unsere Ekelneigung bei bestimmten Nahrungsmitteln zu bestimmen. Basierend auf fünf verschiedenen Studien listet sie acht verschiedene Auslösergruppen auf, die auch die Ausstellung zeigt ‒ z.B. schmutziges Besteck beim Essen oder eine Schnecke im Salat.

 

Erinnerungsfoto

Haben Sie schon einmal gesehen, wie Sie Ekel empfinden? Eigentlich kennen wir unseren angeekelten Gesichtsausdruck nicht. Nun, er lässt sich im Ekelkasten erfahren. Genau dann, wenn das Foto geschossen wird, steigt dem Probanden ein widerlicher Geruch in die Nase, so dass er unwillkürlich das Gesicht verzieht. Und so endet der Ausstellungsbesuch mit einer amüsanten Erinnerung, die man behalten oder mit anderen teilen kann.

Ekel und Moral
Religionen, Überzeugungen oder Aberglauben entwickeln bestimmte Verbote oder Nahrungstabus. Es geht dabei um Ekel als Kitt für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, aber auch als hartes Ausgrenzungsinstrument z.B. im Zusammenhang mit Menstruationsblut.

Ein Haar in der Suppe

Dieser Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit dem Ekel, den bestimmte Teile oder Flüssigkeiten nach dem Verlassen des menschlichen Körpers hervorrufen. Wir können uns über ein schönes Haar freuen, aber wir hören auf zu essen, wenn wir ein solches auf unserem Teller finden. Ein Glas des eigenen Speichels oder Urins zu trinken, infiziert niemanden, und trotzdem goutiert die Gesellschaft es nicht sehr. Was wäre, wenn die Tendenz hin zur Überwindung dieser Angst vor dem menschlichen Körper ginge? Wenn z.B. manche Frauen die Plazenta nach der Geburt essen, so scheint das Teil der Bewegung zurück zu den Wurzeln, zur Entgiftung des Körpers zu sein.

Die Ästhetik des Ekels

Bekanntlich isst das Auge mit. Und manchmal sind die Augen grösser als der Hunger. Der Sehsinn entscheidet mit, ob wir etwas essen wollen ‒ oder eben auch nicht: Nahrung und bestimmte Farben gehen gar nicht zusammen, ein schön angerichtetes Essen regt den Appetit an, während ein übervoller Teller das Gegenteil bewirkt.

Aspik ‒ das war einmal

Das Museum beleuchtet die visuelle Seite des Ekels, indem es die Geschichte der Kochbuchbilder verfolgt, die direkt von unseren Essensvorlieben und Gewohnheiten zeugen. Die Hochglanzästhetik purer eleganter Teller hat heute Rezepte mit Kälberaugen oder Kutteln abgelöst. Gewichen sind auch Fotos von Aspikgerichten, die bis in die 1960er Jahre Mode waren! Die Aspikberge um Fleisch, Salat und Gemüse verdankten ihre Beliebtheit der Weltwirtschaftskrise. Es war eine elegante, gleichzeitig Eindruck machende Weise, Reste zu verwerten, wenn das voluminöse, aber recht nährstoffarme Gebilde auf einem grossen Silberteller serviert wurde. In der Eingangsrotunde des Museums steht sinnbildhaft ein solches Aspikgericht in Gross und markiert den Anfang von Beurk! Yuck! Igitt! The food we love to hate.

 

Zu sehen und zu essen

Kann ein Kunstwerk die Schönheit verderblicher Lebensmittel bewahren?

Die Präsentation einer Auswahl alter, wenig ansehnlicher Gläser der Firma Bülach wird allen gefallen. Aber erkennt man heute noch die Lebensmittel vom Sauerkraut bis zur Wurst, die seit fast 90 Jahren so konserviert werden?

 

Hören Sie genau zu

Sehen, Riechen, Schmecken und Berühren helfen uns, Lebensmittel wahrzunehmen. Aber auch das Hören. Selbst wenn wir nicht geräuschempfindlich sind, reicht es schon, wenn wir jemanden mit offenem Mund kauen hören, dass uns der Appetit vergeht. Ist das weltweit so? Der Klangraum der Ausstellung beschäftigt sich mit Essensgeräuschen und Tischmanieren, den wahren Kulturindikatoren, die gute von schlechter Erziehung scheiden.

Ekel und Nachhaltigkeit

Ekel führt zu enormer Lebensmittelverschwendung: Früchte, die fürs Essen zu hässlich oder zu reif sind, altbackenes Brot, Schalen, die im Müll landen. Wie können wir verhindern, dass Nahrung weggeworfen wird? Wie können wir Fleisch essen und uns trotzdem nachhaltig verhalten, z.B. indem wir alles, aber auch wirklich alles vom Tier essen, sogar die ekelhafte Rinderzunge?

Wir spüren, dass wir die Ekelschwelle überwinden und unsere Essgewohnheiten ändern müssen. Ideen dafür gibt es viele: Rezepte hervorragender Köche können z.B. zur Wertschätzung von Rübenblättern und Innereien beitragen, oder wir sollten über Insekten als Fleischersatz nachdenken. Um den Ekel zu überwinden, müssen wir verstehen, wie er funktioniert. Nur dann können wir anstehende Ernährungsprobleme in Angriff nehmen.

 

Zukünftige Verpackungen?

Mit der Arbeit der in New York lebenden Künstlerin und Designerin Cristina Carbajo rückt das Alimentarium das Thema Abfall ins rechte Licht. Cristina Carbajo zeigt mit Zellulose-Verpackungen aus recycelten Obst- und Gemüseabfällen eine ökologische Alternative zu Kunststoffverpackungen auf.

Zu Tisch!
Ohne Praxistest kann man Ekel nicht wirklich erforschen: Dazu stützt sich das Alimentarium auf Lebensmittel, die Internetnutzer besonders ablehnen.

Unter Hauben versteckt warten Insekten, Epoisses oder ein Teller Nattō (fermentierte Sojabohnen mit Geruch und Viskosität, über die ganz Japan uneins ist), Ihren Gaumen zu erfreuen. Am Mittwoch-, Samstag- und Sonntagnachmittag können Sie in der "Verkostungsbar der anderen Art" weitere ekelerregende Lebensmittel kosten. Sie lernen dabei deren Geheimnisse und Geschichten kennen, die helfen, den Ekel am Unbekannten zu besiegen. Und was gibt es da zu essen? Überraschung! Das Angebot variiert je nach Jahreszeit.

Top oder Flop?
Die "sensorische Herausforderung" bringt Sie garantiert zum Lachen: Hier können Sie ihren Geruchssinn bei der Identifizierung von Gerüchen aus der Aromaorgel testen.

Was, wenn die Lebensmittel, die Sie am meisten ekeln, nicht die mit dem schlimmsten Geruch wären? Können Sie alle herausriechen?